Wegweiser für die Jugend

Liebe Leserinnen und Leser.

Wahrlich, wir sind alle,Geschöpfe Gottes und von dieser Hinsicht aus betrachtet einander Geschwister. Wir sind Menschen. die Verstand besitzen und denken können.

Es ist nicht abzustreiten, daß die Menschen inneren Frieden und Glückseligkeit für ewig wollen. Die Risale-i Nur, für die das Wissen, der Verstand und die Erfahrungen gelten, zeigt der ganzen Menschheit den wahren Weg, den Weg der wahren Erkenntnis, des Verstandes und des Herzens. Das bezeugt das wahre Wissen. der Verstand und die Erfahrung. Die Wissensmänner, die die Risale-i Nur studiert haben, bestä tigen das auch. Nach meinen fünfzigjä hrigen Erfahrungen und Beobachtungen behaupte ich auch, daß diejenigen, die den «Wegweiser für die Jugend» studieren und ihn sich zu Herzen nehmen, im wahren Sinne ihr Glück linden. Fürjeden Denker und Idealisten. der die Jugend in diesem Lande von den schlechten Gewohnheiten der Zeit. von ihren Süchten und von ihren geistigen Bedrängnissen retten will, empfehle ich diesen «Wegweiser für die Jugend». Ich behaupte aufgrund meiner Erfahrungen, daß dieses Werk einen groß en· Dienst für das Glück der Bevölkerung und für die Ruhe und Ordnung in diesem Lande versehen wird. Geben Sie bitte dieses Buch der Jugend zu lesen und empfehlen Sie es ihr!

Alle Mitbrüder, die bei der Übersetzung und Veröffentlichung mitgearbeitet haben, wollen mit diesem Buch für die Menschheit dienen und arbeiteten nur um einen Gottesdienst zu versehen. Sie erwarten dafür nichts. Wer etwas tut, tut es mit Sicherheit für sich. Es ist auch niemanden möglich, Gott zu täuschen.

Dieses Werk dient als Sprachrohr für die Wahrheiten, an die wir glauben. Jesus, mit dem Friede sei, verkündete die Wahrheit in diesem Geist, und wurde aber von den Regierenden seiner Zeit zum Tode verurteilt. Wir wollen in unserer Zeit entsprechend den Wahrheiten. die die wahren Propheten, wie Abraham, Moses. David, Josef. Jesus und Muhammad, mit denen Friede sei, verkündeten, leben. Mit unserem Verstand. Gefühl. Gemüt und Herz und in unserem Alltagsleben wollen wir ihnen folgen. Wenn Sie dieses Werk, das zu dem Risale-i Nur Gesamtwerk gehört, und die Risale-i Nur selbst lesen. dann werden Sie sich sowohl mit dem Leben. als auch mit dem Tod zufrieden stellen und niemanden mehr als Gott lieben.

Gott sei mit Ihnen!

Ein persönlicher Schüler von Bediüzzaman Said Nursi

Abdullah Yegin

Vorwort

Dieser «Wegweiser für die Jugend», wie er mit neu eingeführten lateinischen Buchstaben gedruckt wird, wurde auch mit arabischen Buchstaben in Isparta vervielfältigt. Da die Regierung und die Ordnungsbehörde dies nicht störte und er überall begeistert gelesen wird und sich verbreitet, zeigt, daß dieser «Wegweiser» für das Volk besonders für die Jugendlichen von sehr großem Nutzen ist. Nur der Polizeipräsident von Ankara legte den Finger auf den Satz in der achten Zeile der zweiundfünfzigsten Seite «... es ist notwendig. Überall soweit möglich kleinere Schulen des Lichtes (Dersane-i Nuriye) zu eröffnen». ohne den Satz in der fünften Zeile «Aufgrund dessen, daß die Eröffnung privater Schulen für religiöse Unterweisungen zugelassen wurde. ...» gelesen zu haben. Er mußte also dann den tatsächlichen Sinn begriffen haben, da er nicht mehr dessen Verbreitung zu hindern versuchte.

Die «Anmerkung über Hu*» ist zwar tiefschürfend und kann nichtjeder beim erstmaligen Lesen begreifen. Aber so wie diese Anmerkung den Grundstein der Naturalisten und der Leute des Unglaubens zerschlägt. so versetzte sie auch starrsinnige Philosophen in Erstaunen. und brachte viele von ihnen zum Glauben. Zudem wird durch die geistige Reise in die Welt der Bedeutungen, die mit dem Schlüssel dieser Anmerkung geöffnet wurde. eine Vorführung des Jenseits in augenscheinlicher Gewißheit erkennbar. Da sie aber sehr feinsinnig ist, wurde sie hier nicht veröffentlicht.

Bediüzzaman Said Nursi

*Hu!: Er! Neben der gewöhnlichen Anrufung: Ya Allah (Oh Gott)! kennt auch die isl. Mystik die Erwähnung Gottes (Zikrullah) mit dem Anruf: Ya Hu (Oh Er)? - A. d. t1.

Erstes Wort

« Bismillah». das ist der Anbeginn alles Guten. Im Anbeginn steht auch für uns dieses Wort und so beginnen wir mit ihm. Wisse. oh du meine Seele! So wie dieses gesegnete Wort ein Zeichen des Islam ist, so ist es unausgesprochen auch ein immerwährendes Gebet der gesamten Schöpfung.

«Bismillah!» Willst du verstehen, was füreine unerschöpfliche Kraft und welch ein nicht enden wollender Segen in diesem Wort enthalten ist, so komm und höre dieses Gleichnis. Es ist dies das folgende:

Wenn ein Beduine eine Reise durch die Sahara unternehmen will, so tut er gut daran, sich unter den Schutz eines Stammesfürsten zu begeben, und die Fahrt in dessen Namen zu beginnen, damit er, vor den Nachsteltungen der Räuber bewahrt, seine Angelegenheiten regeln kann. Unternimmt er die Reise dagegen auf eigene Faust. so wird er angesichts unzähliger Feinde und Bedürfnisse völlig durcheinander geraten.

Nun zogen einmal zwei Männer zu solch einer Reise in die Sahara hinaus. Der eine von ihnen war ein bescheidener Mann, der andere aber stolz... Der bescheidene erbat den Schutz eines Fürsten und reiste unter dessen Namen, der stolze aber nicht... Der erste bewegte sich überall in Sicherheit. Begegnete ihm ein Wegelagerer, so sagte er nur: «Ich reise unter dem Namen des Fürsten von So-und-So.» So entfernt sich der Räuber und kann ihn nicht belä stigen. Trat er in ein Zelt ein, ward er unter diesem Namen in Ehren aufgenommen. Der andere aber in seinem Stolz geriet aufderganzen Reise in solche Schwierigkeiten. wie man sie kaum beschreiben kann. Er lebte in bestä ndiger Angst und Not. und muBte um alles und jedes betteln. Dazu erfuhr er noch eine schlechte, ja unwürdige Behandlung.

Wohlan denn. du meine hochmütige Seele! Dieser Reisende bist du. Was aber diese Welt betrifft, so gleicht sie einer Wüste. Deine Schwäche und Armseligkeit ist grenzenlos. Deine Feinde sind zahllos und deine Bedürfnisse unendlich. Weil das aberso ist, unterstelle dich dem Namen dieses Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit. welcher Besitzer und Herrscher dieser Wüste ist. damit du davor bewahrt bleibst. in aller Welt betteln zu müssen und vor jedem Ereignis zu zittern...

In der Tat ist dieses Wort « Bismillah» ein so gesegneter Schatz. daß es für dich eine Beziehung zur unendlichen Macht und Barmherzigkeit herstellt und in deiner grenzenlosen Schwäche und Armseligkeit am Hofe des Allmächtigen und Allbarmherzigen zu einem hochachtbaren Fürsprecher wird. Wer nach diesem Wort handelt. gleicht einem Mann. der sich als Soldat rekrutieren läBt. Er handelt im Namen des Staates. Er braucht niemanden zu fürchten. «Im Namen des Gesetzes, im Namen der Regierung». spricht er. Ererledigt jede Arbeit und überwindet jede Schwierigkeit.

Wir haben am Anfang gesagt: Die ganze Schöpfung spricht ohne Worte ein «Bismillah». Wie geschieht das?

Stellen wir uns also einmal vor: Da kommt ein Mann ganz allein daher. Er fühn die ganze Bevölkerung einer Stadt gewaltsam an einen Ort. wo er sie zur Arbeit zwingt. Da weiBt du mit Sicherheit: dieser Mann handelt nicht in eigenem Namen und nicht aufgrund. seiner eigenen Macht. Er ist vielmehr ein Soldat. Er handelt im Namen der Regierung. Er stützt sich auf die Macht und das Ansehen eines Königs. Genauso handeln alle Dinge im Namen Gottes des Gerechten, sodaß die Samenkerne und Körner. winzig klein wie Staubkörner, riesige Bäume auf ihrem Haupt tragen, Lasten gleich Berge emporheben. Das heiBt also: Jeder Baum spricht «Bismillah». Er füllt seine Hä nde aus der Schatzkammer des Allbarmherzigen mit Früchten, streckt sie uns entgegen, bietet sie uns an. Jeder Garten spricht «Bismillah». Er wird zu einem Kessel in der Küche der Macht, worin die verschiedensten Arten köstlicher Speisen gleichzeilig zubereitet werden. All die Tiere (die Gott zum Segen der Menschheit geschaffen hat) wie Kuh und Kamel, Ziege und Schaf, sprechen «Bismillah». Aus der Fülle des Erbarmens entsteht ein Brunnen von Milch. Sie bieten uns im Namen des Versorgers wie ein Wasser des Lebens die feinste und reinste Nahrung an. All die Planzen, Bäume wie Kräuter sprechen mit ihren seidenweichen Wurzeln und Adern «Bismillah». Sie durchdringen harte Steine und feste Erde. Sie sprechen «Im Namen Allahs, im Namen des Barmherzigen» und es unterwerfen sich ihnen alle Dinge.

Ja. genauso wie sich die Äste in der Luft ausbreiten und Früchte geben, breiten sich diese Wurzeln mit der vollkommener Leichtigkeit in der festen Erde aus, durchdringen den harten Stein und bringen unter der Erde ihren Ertrag hervor. Zudem bleiben ihre empfindlichen grünen Blä tter auch noch in sengender Hitze monatelang frisch. Das alles ist den Materialisten wie ein krä ftiger Schlag ins Gesicht und bringt sie zum Verstummen, steckt ihnen den Finger auf ihre verblendeten Augen und spricht zu ihncn: Auch die Hä rte und die Hitze, der du eine so große Macht zuschreibst, handeln unter (göttlichem) Auftrag, sodaß diese seidenweichen Adern gleich dem Stab Mosis dem Befehl: gehorchen und die Fetsen spalten. Und diese zarten Blütter, dünn wie Zigarettenpapier rezitieren jedes gleich den Gliedern Abrahams, mit dem der Friede sei, den Befehl Gottes gegen die glühende, sengende Hitze:

Da nun einmal jedes Ding dem Sinne nach «Bismillah» sagt und,uns in Allahs Namen die Gnadengaben Gottes entgegenbringt und anbietet, müssen auch wir «Bismillah» sagen. In Allahs Namen müssen wir geben. In Allahs Namen müssen wir entgegennehmen. Wenn dies aber so ist. dürfen wir von gottvergessenen menschen. die nicht in Allahs Namen geben. auch nichts annehmen

Frage: Wir bezahlen den Menschen, die uns die Waren nur anbieten, einen Preis. Doch welchen Preis verlangt Allah von uns, der doch der wahre Eigentümer der Ware ist?

Antwort: Es sind dies in der Tat drei Dinge, die der wahre Geber aller Gaben als Gegenleistung für alle die kostbaren Gnadengaben und Güter als Preis von uns gefordert hat. Erstens: Zikir (Gottesgedenken). zweitens: Þükür (Danksagung), dritens: Fikir (Nachsinnen).

Im Anfang steht das Gottesgedenken (zikir) im «Bismillah». Am Ende steht die Danksagung (þükür) im «Elhamdulillah» Zwischen den beiden stehen Nachdenken und Begreifen. daß diese kostbaren Gnadengaben. die wunderbare Kunstwerke sind, Geschenke des Erbarmens, und Wunderwerke der Macht des Einen (Ehad) und Einzigartigen* sind, bedeutet Nachsinnen (Fikir). Jedoch einem Habenichts die Füße zu küssen, wenn er dir ein kostbares Geschenk eines Königs überbringt und dabei den Eigentümer des Geschenkes nicht zur Kenntnis zu nehmen. was für eine Dummheit wä re das! Genauso wä re es noch tausendmal törichter als dies, die äuBerlich sichtbaren Spender zu loben und zu lieben, den wahren Geber aber zu vergessen.

Oh du meine Seele! Wenn du nicht so töricht sein willst, dann gib im Namen Allahs, nimm im Namen Allahs. lm Namen Allahs fange an. Im Namen Allahs führe zu Ende. Und somit erlange Frieden. (= Selam: Gruß und Wunsch beim Abschied).

*Samed: Er. der nichts und niemanden braucht und dessen alle undjedes bedarf. - A. d. U. , ,

Zweites Kapitel des Dreizehnten Wortes

Dialog mit einigen jungen Leuten, die in einer Zeit vielfä ltiger Verlockungen dennoch ihren Verstand noch nicht rerloren haben.

Von Seiten einiger junger Leute wurde unter dem Zwang zu gesellschaftlichen Lustbarkeiten und Grillen mit den Worten «Auf welche Weise können wir unser Leben für das Jenseits retten» um Hilfe aus der Risale-i Nur gebeten. Auch ich habe zu ihnen im Namen der Gemeinschaft um die Risale-i Nur gesagt:

Es gibt das Grab. Das kann niemand leugnen. Dorthin wird jeder gehen, ob er will oder nicht. Und um dorthin zu gelangen, gibt es drei Reisemöglichkeiten. Außer diesen drei Wegen gibt es keine andere Möglichkeit.

Erster Weg: Für die Leute des Glaubens ist das Grab ein Tor zu einer anderen Welt, die noch schöner ist als diese Welt.

Zweiter Weg: Denjenigen, die zwar bestä tigen, daß es ein jenseits gibt,jedoch in Ausschweifungen leben und auf Irrwegen gehen, ist es ein Tor zu ewigem Kerker und einer Einzelhaft, in der sie von allen ihren Freunden getrennt, und auf sich allein gestellt sind. Dieser sichtweise entsprechend sehen sie auch einer solchen Behandlung entgegen, weil sie sich nicht ihrer Überzeugung und ihrem Glauben entsprechend verhalten haben.

Dritter Weg: Für die Leute des Unglaubens und Irrweges, die an das jenseits nicht glauben, ist es ein Tor zu Verlust und Verlorenheit auf ewig. es ist ein Galgen, an dem sowohl sie selbst als auch all ihre Geliebten aufgehä ngt werden. Da sie es nur in dieser Weise kennen, werden sie es als Antwort genau so erleben, wie sie es angenommen und geglaubt haben.

Diese beiden letzten Möglichkeiten sind offensichtlich und bedürfen keines Beweises. Man kann sie mit bloßem Auge erkennen. Da nun einmal der Augenblick des Todes nicht bekannt ist, kann der Tod zu jeder Zeit kommen, um dir den Kopf abzuschlagen; und dabei macht er zwischen jung und alt keinen Unterschied. Mit Sicherheit ist für einen hilflosen Menschen, der einem so groß en und fürchterlichen Problem gegenübersteht und es immer vor Augen hat, hier einen Ausweg zu suchen, damit er sich vor dieser immerwährenden Verlorenheit, dieser zutiefst unendlichen Einzelhaft rettet und das Grabestor für sich in ein Tor umwandelt, das sich zu einer beständigen Welt. zu einer ewigen Glückseligkeit und Welt des Lichtes öffnet, ein Umwandlungsprozeß, der für diesen Menschen ein Problem von weltweiten Ausmaß en ist.

So haben sich denn diesedrei Möglichkeiten als eine unanfechtbare Tatsache herausgestellt. Hundertvierundzwanzigtausend Seher, deren Prophetentum sich durch Zeichen und Wunder als wahr herausgestellt hat. haben berichtet, daß es aufgrund dieser oben erwähnten drei Tatsachen drei Wege gibt.124 Millionen Heilige haben aufgrund ihrer geistigen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Schau die Berichte der Propheten über dieselbe Tatsache anerkannt und bestä tigt. Zahllose Forscher* beweisen dieselben Berichte dieser Propheten und Heiligen, verständlich, mit sicheren Beweisen und wissenschaftlicher Sicherheit. Alle berichteten gemeinsam, in Übereinstimmung, mit einer99 %-igen Sicherheit: « Sich vor ewiger Kerkerhaft und Verlorenheit zu retten und diese Reisemöglichkeit in einen Weg zur ewigen Glückseligkeit umzuwandeln, ist nur im Glauben und im Gehorsam möglich...*

Wer nicht einen gefahrvollen weg einschlagen will, wird auch dann das Wort eines einzigen Beobachters berücksichtigen, wenn dort die Wahrscheinlichkeit, zugrundezugehen, nur ein Prozent betregt. Ein Mann; der die Worte eines solchen Beobachters nicht erst nimmt und trotzdem auf diesem Wege weiter geht. *Eine von ihnen ist die Risale-i Nur, die das für alle offenlegt.

verliert dabei durch die innere Unruhe, die aus der Angst vor dem Verderben entsteht, selbst noch seinen Appetit am Essen. In gleicher Weise berichten hunderttausende als zuverlässig bestätigter Seher. daß Verirrungen und Ausschweifungen mit hundertprozentiger Bestimmtheit zur ausschlaggebenden Ursache dafür werden, das Grab vor Augen als einen Galgen und eine ewige Einzelhaft zu betrachten, Glaube, Gottesdienst und Anbetung aber mit hundert,prozentiger Bestimmtheit diesen Galgen aus den Augen schafft, die Einzelhaft aufhebt, das Grab in ein Tor zu einer ewigen Schatzkammer, einem Schloß der Glückseligkeit umwandelt,und sie brachten dafür Beispiele und Hinweise. Vor diesem einzigartigen, erstaunlichen, gewaltigen und Schrecken erregenden Problem steht nun der hilflose Mensch und besonders ein Muslim. Dort wo aber Glaube, Anbetung und Gottesdienst fehlen. könnte da ein Mensch, auch würde ihm aller Reichtum und Genuß aller Welt gegeben, die ihm stä ndig vor Augen stehende Qual und Pein in der Erwartung, daß die Reihe an ihn kommt, abberufen zu werden, fortwischen? Das frage ich euch.

So wühlen denn Alter, Krankheit, Unglücks- und Todesfälle von allen Seiten diesen fürrhterlichen Schmerz immer wieder auf und rufen ihn wach. Auch wenn die Leute des Irrweges und der Ausschweifungen das Leben hunderttausendfach genießen und sich vergnügen, lebt und brenntdennoch mit Sicherheit eine Hölle unsichtbar in ihren Herzen. Jedoch der Rausch ihrer so tiefen Gottvergessenheit läßt sie das vorübergehend nicht empfinden.

Menschen jedoch. die sich im Glauben und Tun auf Gott hin ausrichten, ist das Grab, das sie vor Augen sehen, ein Tor zu einer immerwä hrenden Schatzkammer, einer nie endenden Glüekseligkeit. Auch wurde durch den Glauben für sie aus der Lotterie jener Zukunft in der Ewigkeit ein Los gezogen, das Milliarden in Gold und Diamanten gewinnen läß t. Noch während sie ständig darauf warten, gerufen zu werden: « Komm, empfange dein Los! ». wä chst in ihnen ein tiefwurzelnder, wahrhaftiger Genuß und in ihrem Herzen die Freude. Es ist diese Freude. die, sobald sie Gestalt annimmt und der Kern zu einem Baum heranwächst, die für diese Leute zu ihrem persönlichen Paradies wird. Geben sie jedoch diesen Genuß und diese überwältigende Freude auf und wählen, durch ihre jugend verführt. stattdessen einen unerlaubten, vergänglichen. nur aus einer augenblicklichen Laune und der Ausschweifung geborenen Genuß, der einem vergifteten Honig gleicht, gemischt mit zahllosen Schmerzen, so sinken sie noch hundertfach tiefer unter das Tier herab.

Doch können sie auch nicht den fremdländischen Atheisten gleich werden. Denn verleugnen diese auch unseren Propheten, werden sie doch andere Propheten anerkennen. Wissen sie nichts von den Propheten. werdcn sie doch Gott anerkennen. Wissen sie nichts von Gott. werden sich doch einige gute Charakterzüge bei ihnen finden, die zur Quelle der Vol1endung werden.

Jedoch ein Muslim kennt sowohl die Propheten als auch seinen Herrn und überdies alle Völlendung durch Muhammad. den Araber, mit dem Frieden und Segen sei. Wer aber seine Erziehung vergiß t und seine Hürde vertäßt, kennt überhaupt keinen Propheten mehr und kann deshalb auch Gott nicht kennen. Auch kann er gar keine Grundsätze zu eigen haben, um sich seine Menschlichkeit und Würde in der Seele zu bewahren. Denn wer die Lehren des Letzten und Größten der Propheten. dessen Glaube. Unterweisung und Ruf, der sich an die ganze Menschheit richtet, und durch seine Wunder, seinen Glauben, seine Unterweisung über allen anderen steht, derdie ganze Menschheit in allen Wahrheiten als ein Meister unterwiesen hat und das über vierzehn Jahrhunderte klar bewiesen hat, auf den die ganze Menschheit stolz ist. wer die Grundsä tze dieser Erziehung durch eine solche Persönlichkeit und die Wurzeln seines Glaubens vergißt, kann mit Sicherheit und auf gar keine Weise zum Licht, zur Vollendung gelangen. Er ist verurteil, und sein Sturz ist unaufhaltsam.

Wohlan denn, ihr Hilflosen, die ihr dem Genuß des irdischen Lebens verfallen seid. und euch in eurer Sorge um die Zukunft darum bemüht. eure Zukunft und euer Leben zu sichern! Wenn ihr irdische Vergnügungen, Genuß, Freude, Glück und Bequemlichkeit wollt, soltt ihr euch mit dem Genuß im erlaubten Rahmen begnügen. Er ist für diesen Genuß ausreichend. Sicherlich habt ihr aus den vorhergegangenen Erklärungen entnommen, daß im Genuß auBerhalb dieses Rahmens und im Bereich des Unerlaubten tausend Schmerzen liegen. Könnte man, so wie man heute das Vergangene, d.h. Ereignisse von Gestern, durch eine Filmaufnahme in die Gegenwart versetzen kann. auch die Ereignisse der Zukunft, zum Beispiel die Lebensumstände in fünfzig Jahren durch eine Filmaufnahme zeigen, dann würden die Leute der Ausschweifung über das. worüber sie heute lachen, hunderttausendfach fluchen, es hassen und darüber weinen. Wer in dieser Welt und im Jenseits immer und ewige Freude möchte. soll sich die muslimische Erziehung. wie sie sich im Rahmen des Glaubens findet. zum Wegweiser nehmen.

Einmal saß ich an dem Fenster des Gefängnisses in Eskiþehir.

Als die erwachsenen Mädchen des gegenüberliegenden Gymnasiums in dem Hof der Schule ausgelassen tanzten, sah ich sie in ihrem irdischen Paradies als Jungfrauen der Hölle. Auf einmal erschienen mir ihre Situationen in fünfzig Jahren. Ihr Lachen verwandelte sich in schmerzvolles Weinen. Daraus entwickelte sich diese folgende Wahrheit. Ich sah nämlich ihre Situation in fünfzig Jahren in einer geistigen und imaginären Vorführung: Fünfzig von diesen ausgelassenen sechzig Mädchen sind schon im Grab und leiden, sie sind zu Erde geworden. Zehn von ihnen sind in ihrem siebzigsten Lebensjahr unansehnlich geworden und lenken von allen einen widerwilligen Blick auf sich. Und ich habe ihretwegen geweint.

Das wahre Gesicht der Verlockungen in der Endzeit zeigte sich mir. Die fürchterlichste und verführerichste unter diesen Verlokkungen entsteht aus dem ungenierten Gesicht der Frauen. Es beraubt die Entscheidungsfreiheit und lä ßt wie ein Nachtfalter in das Feuer der Ausschweifung werfen. Es veranlaßt, daß man einer Minute irdischen Lebens Jahre des ewigen Lebens bevorzugt.

Als ich einmal draußen auf die Straße schaute. verspürte ich ein wirkungsvolles Beispiel dieser Verlockungen. Ich habe den Jugendlichen gegenüber Mitleid empfunden. Ich sagte: «Diese Hilflosen können sich vor dem Feuer dieser wie ein Magnet anziehenden Verlockungen nicht retten» und machte mir Sorgen. Plötzlich verkörperte sich vor mir eine geistige Persönlichkeit, die diese Verlockungen anheizt und vorexeziert und die sich damit beschä ftigt, vom Glauben abfallen zu lassen. Und ich sagte auch zu ihm und zu den Ungläubigen, die ihm nacheifern:

Oh du Unglücklicher, der du deinen Glauben aufgibst und dich von dem ausschweifenden Irrtum sogar mit Freuden bestechen lä st, um sich mit den Jungfrauen der Hölle zu vergnügen und der du dich um des Geschmackes der Vergnügungen der körperlichen Begierden, willen für die Glaubenslosigkeit und den Atheismus entscheidest und der du das Leben anbetest und dich vor dem Tod schrecklich fürchtest und der du nicht an das Grab erinnert werden willst und beginnst vom Glauben abzufallen! ... Wisse mit Sicherheit, daß hinsichtlich der Glaubenslosigkeit diese deine riesige Welt vordieser Stunde und nach dieser Minute. dieser dein ganzer Kosmos, deine Vergangenheit und deine Zukunft, deine vergangene Gattung und Art. die künftigen Geschöpfe und Generationen, vergangene Welten und Völker. die kommenden Menschen und Gruppen völlig abwesend und tot sind. Alle diese wandelnden und fließenden Universen. mit denen du durch Menschlichkeit und Verstand in Verbindung stehst. lassen ständig wegen deines Irrtums auf deinen Kopf so viele fürchterliche Plagen wie die ganze Wett und heftige Schmerzen der zahllosen Sterbefälle herunterprasseln. Wenn du dir dessen bewußt bist. dann brennen sie dein Herz... Wenn du einen Geist hast, verbrennen sie ihn... Wenn dein Verstand nicht erloschen ist, ersticken sie ihn in Gram und Sorge... Wenn deine Ausschweifung und ekelhafter Genuß im Rausch von einem Stündchen diesen grenzenlosen Sorgen. Trauern und Schmerzen widerstehen kann, dann bleibe in dieser Ausschweifung... Anderenfalls nimm Vernunft an!... Um dich von dieser geistigen Hölle zu retten und in ein geistiges Paradies. daß der Glaube noch in dieser Welt beschafft, einzutreten und die Glückseligkeit im Leben zu erleben, höre die Unterweisungen des Qur’an... Tausche den bruchteiligen, vergänglichen Geschmack von einer Minute mit den allgemeinen, bleibenden, immerwä hrenden Freuden* aus dem Glauben um...

 

 

*Ja, der Glaube kann auch in dieser Welt die paradiesischen Freuden geistig geben. Betrachte unter Hunderten genußvollen Lichtern diesen einen Nutzen. Du siehst zum Beispiel jemanden. den du sehr liebst, in einer Gefahr sterben. In diesem Augenblick kommt ein Arzt wie Lokman der Weise und Hýzýr (= der Grüne, gemeint der Prophet Elias. der im Augenblick höchster Bedrängnis zur Hilfe kommt. - d. Ü.) Auf einmal wird er wieder lebendig. Welch eine groß e Freude wirst du empfinden. Genauso gibt dir auch der Glaube so viele Freude und Fröhlichkeit wie die Zah1 der Verstorbenen. die du liebst und mit denen du dich verbunden Verfühlst. Denn in dem Friedhof der Vergangenheit werden Millionen Menschen. die von dir geliebt werden. aus der Vernichtung und dem Tod durch das Licht des Glaubens auf einmal vor dir wieder lebendig. Sie sagen: «Wir sind nicht gestorben und werden euch nicht sterben,« und sie erlangen das Leben wieder. Statt der zahllosen Schmerzen, die aus den zahllosen Trennungen entstehen, kommen noch in dieser Welt grenzenlose Freuden und Fröhlichkeiten aus der Zusammenkunft und Wiederbelebung hinsichtlich des Glaubens. welches zeigt: Der Glaube ist ein solcher Kern, der für die Leute des Glaubens das Paradies mit all seinen Genüssen und Schönheiten als Frucht gibt... und Er wird es geben.

Desweiteren sollst du nicht sagen: «Ich will mein Leben so verbringen, wie es ein Tier verbringt» Denn für ein Tier sind Vergangenheit und Zukunft verborgen. Gott, der gnädige allweise Herr. hat sie von zahllosen Schmerzen errettet, indem Er sie dieses Verborgene nicht wissen lä ßt. Sogar ein Huhn, das zum Schlachten hingelegt wird. empfindet überhaupt kein Leid und Trauer. Nur wenn das Messer schneidet. will es empfinden, aber dieses Gefühl verschwindet und es rettet sich auch vor diesem Schmerz. Das heißt, eine überaus groBe und vollkommene Gnade, Barmherzigkeit und Liebe Gottes des Gerechten liegt darin, das Verborgene nicht wissen zu lassen. Besonders ist es noch vollständiger für die Arten der kleinen Tiere. Also kannst du in dem ausschweiferischen Genuß den Tieren nicht gleichen. Tausende Grade fä llst du runter. Denn die Dinge, die für ein Tier verborgen bleiben, sieht dein Verstand und bekommt Leid von ihnen. Du bist von der vollstündigen Ruhe, die in dem Verdecktsein des Verborgenen liegt, völlig ausgeschlossen.

Dasweiteren beschrä nken sich Bruderschaft, Verehrung. Einsatzbereitschaft und dergleichen schöne Eigenschaften, auf die du stolz bist. in einem ganz dünnen Zeitabschnitt, in einem ein Finger breiten Platz inmitten einer riesig großen Sahara. Sie gehören nur einer gegenwä rtigen Stunde in grenzenloser Zeit, werden künstlich, vorübergehend, falsch, unecht und überaus klein. Deine Menschlichkeit und Vollkommenheit verkleinern sich dementsprechend und werden unbedeutend. Aber Bruderschaft.Vehrung, Liebe und Einsatzbereitschaft der Leute des Glaubens umfassen die aufgrund des Glaubens existente Vergangenheit und Zukunft. Ihre Menschlichkeit und Vollkommenheit werden dementsprechend höher. Desweiteren gleichst du in deinem Erfolg in dieser Welt einem verrückt gewordenen Juwelier, der die Glasscherben mit dem Preis von Diamanten kauft. Da du auch für eine winzig kleine, ganz kurze Zeit und Lebensspanne den Preis eines langen, immerwährenden und breiten Lebens gibst kannst du mit Sicherheit in diesem begrenzten Rahmen siegen. Da du für eine Minute Überlegenheit so eine starke Gier, Liebe, Rachsucht und dergleichen Gefühle zeigst, wie sie für ein Jahr ausreichen würden, kannst du die Leute des Glaubens vorübergehend überragen.

Desweiteren, da deine Vernunft, dein Geist, dein Herz und deine Empfindungen ihre hohe Aufgaben unterlassen und in den gemeinen Sachen der niederträchtigen Begierde und der ekelhaften Gelüste teilnehmen und beitragen, kannst du dich in dieser Welt den Leuten des Glaubens gegenüber stärker erweisen. Und Scheinbar wirst du noch sympathischer erscheinen. Denn deine Vernunft, dein Herz und dein Geist sind im ä ußersten Grade verfallen, entartet und gesunken. Sie haben sich in ekelhafte Gelüste und Begierden verwandelt und abgerieben. Mit Sicherheit wirst du in dieser Hinsicht eine vorübergehende Überlegenheit haben, was dich die Hölle und aber die unterdrückten Leute des Glaubens das paradies gewinnen lä ßt.

Eine Anmerkung von unserem Meister, die in den «Wegweiser für die Jugend» hinzugefügt werden soll.

Aus Mersin haben wir ein handgeschriebenes Exemplar des «Wegweisers» erhalten. Es ist gut. die dreiundzwanzigste und vierundzwanzigste Anfangsseiten, in denen sich ein Artikel mit dem Titel «Eine wichtige Fragestellung» befindet, herauszunehmen. Denn eine von den wichtigsten Grundprinzipien der Schule «Nur» (Licht) ist selbstlose Liebe. Darum zeigen die Frauen mehr als die Männer inniges, aufrichtiges und ernsthaftes lnteresse für die Risale-i Nur Werke. Mit der Schärfe in diesen beiden Seiten sollen sich die gesegneten Schwestern - Helden der selbstlosen Liebe - nicht angesprochen und beleidigt fühlen. Denn diese Fragestellung wurde geschrieben. um ein Teil der muslimischen Mädchen zu warnen. die sich bemühen. offen und freizügig gekleideten, halbnackten oströmischen und armenischen Mädchen in den Städten wie in Istanbul nachzuahmen.

Dagegen haben die Heuchler uýýd Freimaurer in Istanbul, die sich gegen den Wegweiser stellen, in dieser letzten Zeit auch manche Zeitungen. die gegen uns sind, diesen Punkt falsch interpretien. Und sie machten diesen Punkt zu einem Grund ihrer Verleumdung. um das Interesse einiger Frauen an dem Risale-i Nur Gesamtwerk zu schwächen. Vorläufig sollen diese beiden Seiten herausgenommen werden. Ersetzt wird ihre Stelle durch den «Wegweiser für die Frauen», welcher mit «Gespräch mit Frauen» betitelt ist.*

Said Nursi

 

*Wie die geheimen Komitees, die sich der islamischen Erziehung entgegensetzen, aktiv arbeiten. um die Jungen zu verderben, so arbeiten auch jetzt einige atheistische und geheime Komitees, um die hilflosen Frauen auf die schiefe Bahn zu bringen.

Denjenigen, die den «Wegweiser der Jugend» erhalten haben, soll man eine Kopie von der oben erwähten Anmerkung überreichen. damit sie nicht von den Verleumdungen dieser Verderbungskomitees verführ werden können.

Die Frauen sollen anstelle dieser beiden herausgenommenen Seiten den Wegweiser für alte und junge Damen, die als ein «Gespräch mit den Frauen» betitelt ist, lesen. Und an die Stelle dieser herausgenommenen beiden Seiten soll die oben erwähnte Anmerkung unseres Meisters treten.

Eine wichtige Fragestellung, die mir plötziich angemahnt wurde.

Von den Überlieferungen verschiedener Hadise wird verständlich. wer in den Verführungen der Endzeit die fürchterlichste Rolle spielt; es sind dies die Frauen und ihre Verführungen. In der Geschichte von alten Zeiten wird von einer militärischen Gruppe aus kämpferischen Frauen überliefert, die Amazonen genannt werden und sagenhafte Kriege führten. Genauso ist in dieser Zeit in dem Kampf des atheistischen Irrglaubens gegen den Ýslam die fürchterlichste unter den Divisionen, die mit dem Plan der eigenwilligen Seele unter das Kommando des Teufels gegeben wurden, die halbnackten Frauen, die mit ihren unbedeckten Beinen wie mit fürchterlichen Messern die Leute des Glaubens angreifen. Sie bemühen sich den Weg der Heirat zuzuschließ en und den Weg zum Freudenhaus zu verbreitern. Die Begierde vieler nehmen sie auf einmal gefangen und vertetzen ihre Herzen und Seelen mit großen Sünden. Vielleicht töten sie ein Teil von diesen Herzen. Als richtige Strafe dafür, sie einige Jahre den Gelüsten der Fremden zu zeigen, werden diese Beine wie Messer zu Brennholz der Hölle, wo zuallererst diese Beine verbrannt werden. Da sie in dieser Well die Zuverlässigkeit und Treue verloren haben, können sie einen passenden Mann nicht mehr finden, wonach sie sich aufgrund ihrer natürlichen Veranlagungen sehr sehnen und dessen sie ihrem Wesen entsprechend sehr bedürfen. Auch wenn sie einen finden, laden sie sich eine Plage auf. Als Folge dieses Zustandes - so versteht man von den Überlieferungen der Hadise-werden sie sogar in manchen Orten in dieser Endzeit wegen des Desinteresses und der Nichteinhaltung der Heirat so bedeutungslos,ohne Gönner und wertlos,wie bei einem Mann,der über vierzig Frauen Aufsicht führt.

Die Wahrheit ist nun einmal so, und jede Schöne liebt ihre Schönheit. will sie schützen so weit wie sie kann und will sie nicht verlieren. Und Schönheit ist nun einmal ein Geschenk Gottes. Wenn man für das Geschenk dankt. wird es geistig vetmehrt. Dankt man nicht dafür. verwandelt es sich und wird hä ßlich. Wenn eine Schöne klug ist. wird sic sicherlich mit all ihrer Kraft zu vermeiden suchen, durch ihre Gutheit und Schönheit Sünden auf sich zu laden, die anderen zu verleiten. dieses Geschenk hä ßlich und giftig zu machen und durch Undankbarkeit zu einem Mittel zur Strafe zu verwandeln. Um diese vergangliche, fünf, zehn Jahre dauemde Schönheit zu verewigen, wird sie für dieses Geschenk danken. indem sie es in dem von Gott erlaubten Rahmen gebraucht. Anderenfalls wird sie in ihrem Alter lange Zeit dem Widerwillen ausgesetzt sein und verzweifelt weinen.

Wenn die Schönheit einer Frau im Rahmen der islamischen Erziehung. mit dem Schmuck der qur'anischen Lehre verschönert wird, steht es mit Sicherheit laut eines Hadis fest. daß diese ihre vergä ngliche Schönheit ihr geistig ewig bleiben wird, und sie im Paradies ihre Schönheit zurückbekommt, noch hübscher und glä nzender als die der paradiesischen Jungfrauen. Wenn eine Schöne über ein Fünkchen Vernunft verfügt. wird sie diese schöne, glä nzende und ewig bleibende Folge nicht entkommen lassen.

Liebe treue Brüder!

Wirschicken einen Artikel mit dem Titel ,«Eine Ermahnung an die Jugendlichen, die sich in einem gefährlichen Zustand hefinden». Diese Ermahnung soll noch stä rker beweisen, wie wertvoll es ist, hinsichtlich des Jungseins rechtschaffen, ehrlich zu werden und dem Beispiel des Propheten zu folgen, wie die jungen Schüler der Risale-i Nur es tun. Die wahre und freudige Jugend ist aber die Jugend der Glücklichen dieser Art und sie soll zeigen, wer tatsä chlich Jungtürken sind.

Euer Bruder Said Nursi

Unterweisung

Eine Ermahnung, Erinnerung &127;ür einige alleingelassene Jugendliche

Eines Tages kamen einige Jugendliche zu mir. Sie wollten eine wirksame Ermahnung von mir empfangen, um sich vor den Gefahren zu schützen, die ihnen aus ihren jugendlichen Interessen und ihrer Lebensweise erwachsen. So habe ich ihnen auch das gesagt. was ich früher denjenigen gesagt habe, die um Hilfe aus der Risale-i Nur gebeten hatten:

Eure Jugendzeit wird mit Sicherheit vorübergehen. Wenn ihr nicht innerhalb des von Gott erlaubten Rahmens bleibt. wird diese Jugendzeit verlorengehen und auch nicht nur im Jenseits und im Grab. sondern auch schon in dieser Welt Unglück und Schmerzen bereiten, mehr als Genüsse. Wenn ihr aber diescs Geschenk eurer Jugendzeit der islamischen Erziehung entsprechend als eine Danksagung in Ehren, Redlichkeit und Gchorsam verbringt, wird diese Jugend euch innerlich ewig erhalten bleiben und euch dazu verhelfen, eine unsterbliche, ewige Jugend zu gewinnen.

Was das Leben betrifft. so bringt es, gäbe es den Glauben nicht oder hätte dieser Glaube durch den Ungehorsam keine Wirkung, in der Folge äußerlicher, sehrkurzer Genüsse und Vergnügungen. tausendfach mehr Leiden, Kummer und Sorgen. Denn da der Mensch Verstand und Denkvermögen hat, ist er von seinem Wesen her, im Gegensatz zum Tier, sowohl mit der gegenwärtigen als auch mit der vergangenen und der zukünftigen Zeit verbunden. Dabei kann er aus diesen Zeiten sowohl Schmerz als auch Freude schöpfen.

Was aber ein Tier betrifft, so werden seine vergangenen Schmerzen und seine Ängste vor der Zukunft seine gegenwä rtige Freude nicht zerstören, weil es darüber nicht nachdenken kann.

Was aber den Menschen betrifft, welcherder Gottvergessenheit und dem Irrtum verfallen ist, sei verbittern und zerstören die Trauer über das Vergangene und die Sorge vor der Zukunft sein augenblickliches bißchen Freude völlig. Was insbesondere die unerlaubten Dinge betrifft, so gleichen sie ganz und gar dem vergifteten Honig. Das heißt also, daß der Mensch vom Standpunkt des Lebensgenusses hundertfach tiefer sinkt als ein Tier. Außerdem gehört dem, der einem Irrweg folgt und gottvergessen lebt, sein Leben, ja, seine ganze Existenz. ja, sogar seine ganze Welt nur für einen Tag. Alle vergangenen Jahreszeiten und Lebensalter und alles, was da war, ist von seinem irrigen Standpunkt aus betrachtet. nicht mehr vorhanden, gestorben. Sein verstandesgemä ßes Denken malt ihm alles in Dunkelheit und Finsternis.

Was aber die Zukunft betrifft, so ist sie für ihn aus seinem Mangel an Überzeugung wiederum nicht existent. Die durch diese Nichtexistenz verursachten bestä ndigen Trennungen verfinstern ihm, infolge seiner Fähigkeit darüber nachzudenken, bestä ndig das Leben.

Wenn aber der Glaube das Leben zum Leben erweckt, dann wird sowohl die vergangene als auch die künftige Zeit im Lichte des Glaubens erleuchtet und erhält ihre Gestalt. Gleich der gegenwärtigen Zeit verleiht dann das Leben dem Herzen und der Seele des Menschen, vom Standpunkt des Glaubens aus betrachtet, erhabene, geistige Genüsse und Lichter, unter denen es sich gestaltet. Diese Wahrheit ist in einer Abhandlung für die Alten, der «Siebenten Hoffnung», erklä rt worden. Dort kann man darüber nachlesen.

Siehe, so ist also nun das Leben! Verlangt es euch nach den Freuden und Genüssen des Lebens, so macht euer Leben lebendig durch ein Leben aus dem Glauben, schmückt es mit euren Pflichten gegenüber Gott und bewahrt es euch dadurch, daß ihr euch der Sünden enthaltet.

Was aber die ungeheuerliche Wahrheit vom Tode betrifft, die jeden Tag und überall und zu jeder Zeit die Dahinscheidenden beweisen, so möchte ich sie euch anhand eines Beispiels erlä utern, wie ich das schon anderen jungen Leuten gegenüber getan habe:

Da ist zum Beispiel hier vor euren Augen ein Galgen aufgerichtet. Gleich daneben steht eine Los-Agentur, aber eine solche für die Vergabe der besonders hohen Gewinne. Nun werden also wir zehn. die wir hier sind. in jedem Fall. ob wir es wollen oder nicht-einen anderen Weg gibt es nicht, - dorthin vorgeladen. Wir werden aufgerufen. Und während wir noch darauf warten und weil die Zeit unserer Abberufung unbestimmt ist. vielmehrjeden Augenblick jemand «Komm, nimm dein Verdammungslos und steige zum Galgen hinauf!» oder «Komm, nimm dein Los, mit dem du Millionen Goldstücke gewonnen hast!» rufen kann, kommen plötzlich zwei Menschen zur Tür herein. Einer von ihnen ist eine verführerisch schöne, halbnackte Frau, die in ihrer Hand eine Schale mit Helva* hält. die äußerlich zwar köstlich erscheint, in Wirklichkeit aber giftig ist, und die sie als Speise anbietet. Der andere aber. ein ernster Mann, der nicht betrügt und sich nicht betrügen läßt, tritt hinter der Frau ein und sagt:

  1. «Ich habe euch ein Losungswort, eine Anweisung mitgebracht. Wenn ihr dieses aussprecht und dic Helva nicht eßt, werdet ihr euch vor dem Galgen retten. Mit diesem Losungswort werdet ihr jenen einzigartigen. höhen Gewinn empfangen. Dort vor dem Galgen seht ihr ja bereits mit eigenen Augen, wie die Honigesser dahingehen und sich noch im Gehen von der vergifteten Helva in fürchterlichen leibschmerzen krümmen, während ihr zwar nicht seht, wie die jenigen welche das große Los gezogen haben. und die ihr offensichtlich auch zum Galgen hinaufsteigen seht, gar nicht aufgehängt werden sondern von dort aus mit Leichtigkeit einen Schritt zur Los-Agentur hinüber tun und dort eintreten. Dafür gibt es Millionen Zeugen, die davon Nachricht geben. So schaut denn zum Fenster hinaus. Die obersten Beamten und die höchsten, mit dieser beschä ftigten Persönlichkeiten verkünden mit lauter Stimme und berichten: Diejenigen, welche zum Galgen hinaufsteigen, sind mit augenscheinlicher Sicherheit genau so wie ihr sie seht. Diejenigen aber, die das Große Los gezogen haben, das sind die Besitzer des Losungswortes. Das sollt ihr ganz ohne allen Zwiespalt und Zweifel mit der absoluten Sicherheit des Tages wissen!»*Helva, das; -s (arab. halwa: Süß igkeit): Süß speise aus geröstetem Sesamsamen, Honig, Zucker. Butter, Nüssen, Mandeln und feinem Weizenmehl. - A. d. Ü.

So fällt denn der Mensch, ä ußerlich betrachtet in das Unglück des Todes. der einer Hinrichtung am Galgen gleicht, und in das des Grabes. welches einem Tor in die ewige Finstemis gleicht. weil er durch die Ausschweifungen und die unerlaubten Vergnügungen in seiner Jugend, die dem vegifteten Honig in unserem Beispiel gleichen. den Glauben verloren hat, der die Eintrittskarte und der Ausweis für die Schatzkammer der Ewigkeit und eine endlose Glückseligkeit ist. und so kann denn der Henker-Tod, vor dem jung und alt gleich sind, weil die Todesstunde unbekannt ist, jederzeit kommen. um seinen Kopf abzuschlagen. Wenn der Mensch diese von Gott verbotenen Leidenschaften, die dem vergifteten Honig gleichen, aufgibt. zu seinem Glauben steht und seine Ptlichten gegenüber Gott, die das Losungswort des Qur'an sind. auf sich nimmt. wird er das Los für die Schatzkammer zur ewigen Glückseligkeit aus der wunderbaren Lotterie der Zukunft, die dem Menschen bestimmt ist, gewinnen. Darüber berichten die Hundertvierundzwanzigtausend Gesandten Gottes, mit denen der Friede sei, und so viele Heilige und Kenner der Wahrheit, daß man sie gar nicht mehr zählen kann, übereinstimmend... und sie zeigen die Anzeichen dafür auf.

Kurzum: Die Jugendzeit wird vergehen. Wenn sie in Ausschweifung vergangen ist, wird sie sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits tausende von Übeln und Schmerzen zur Folge haben. Wollt ihr begreifen, wie solche jungen Leute meistens durch den Verdacht von Krankheiten, die aus Mißbrauch und Kraftvergeudung entstanden sind. die Krankenhäuser. durch Maß losigkeit und Übergriffe, die Gefängnisse und Armenhä user, durch Depressionen und seelischen Kummer die Kneipen überschwemmen; so fragt in den Krankenhäusem, in den Gefüngnissen und auf den Friedhöfen nach.

Sicherlich werden die meisten Krankenhäuser euch in ihrer eigenen Sprache, in ihrem Seufzen und Wehklagen von den Krankheiten berichten, die in der Verführung der Jugend durch Verschwendung und Mißbrauch entstanden sind.

Auch aus den Gefä ngnissen werdet ihr von der Trauer so vieler unglücklicher junger Leute hören, welche in ihrem jugendlichen Überschwang für ihr ungesetzliches Verhalten Schläge bekommen haben.

Zudem werdet ihr wissen. daß in jenem Zwischenreich, in der Welt des Grabes, dessen Tore ständig vorden Eintretenden geöffnet und hinter ihnen wieder geschlossen werden, die meisten Qualen eine Folge des Mißbrauchs in der Jugendzeit sind, wofür auch alle die Kenner der Grabeswelt Zeugnis ablegen und was auch alle Kenner der Wahrheit bestätigen und bezeugen.

Auß erdem sollt ihr die Alten und Kranken fragen, die den größten Teil der Menschheit bilden. Weitaus die meisten von ihnen werden sicherlich in Trauer und Sehnsucht sagen: «Weh uns, wir haben unsere Jugendzeit umsonst verlebt. verlonren und dafür bezahlen müssen. Hütet euch davor, daß ihr es nicht auch so macht, wie wir!» Denn wer in seiner Jugendzeit fünf oder zehn Jahre mit unerlaubten Vergnügungen verbracht hat und deswegen in dieser Welt viele Jahre in Kummer und Sorge leben muß, im Zwischenreich Strafe und Schaden erleidet und im Jenseits die Qualen der Hölle und des Feuers zu verkosten bekommt, der verdient, obwohl er sich in einem bedauernswerten Zustande befindet, nach dem Geheimnis gar kein Mitleid. Denn wer seinen Schaden absichtlich herbeiführt, dessen braucht man sich nicht zu erbarmen, und er verdient es auch gar nicht. Gott der Gerechte möge uns und euch vor den Verführungen und Verlockungen dieser Zeit retten und bewahren! Amen.

Antwort aut eine Frage, die durch die Schüler der Risale-i Nur gestellt wurde. «Ýn den schreckliehen Zeiten dieses Weltkrieges. der die Zukunft der islamischen Welt ernsthaft betrifft, seit zwei Jahren,jetzt aber zehn Jahre geworden, haben Sie weder uns noch Emin, der jeden Tag in Ihren Diensten steht, auch nicht ein einziges Ma1 darüber gefragt und diesem keine Bedeutung beigemessen. Herrscht etwa eine andere noch größere Tatsache als dieses große Ereignis, vor der es bedeutungslos wird? Oder ist es schä dlich. sich damit zu beschäftigen?» So haben wir unseren Meister gefragt. Und er gab folgende Antwort:

Ja, es herrscht eine noch größere Tatsache. ein noch gewaltigeres Ereignis als dieser Weltkrieg und dieser Weltkrieg fä llt im Vergleich dazu in Bedeutungslosigkeit. Denn. während in diesem Weltkrieg zwei Regierungen gegenseitig auf die Macht über die ganze Erde Anspruch erheben. wird ein Versöhnungsprozeß der zwei großen Religionen vor dem Friedensgericht eröffnet. Und während die fürchterliche Strömung der Glaubenslosigkeit mit ihrem gewaltigen Kampf gegen die himmlisehen Religionen beginnt,beginnt ein Prozeß vordem großen Gericht zwischen der sozialistischen Klasse und der Bourgeoisie unter dem Menschengeschlecht. Aber es kam eine dermaßen gewaltigere Wahrheit an den Tag und ein dermaßen wichtigerer Prozeß als diese Prozesse war schon im Gange, daßdessen Auswirkungen aufden einzelnen Menschen viel großer ist als dieser Weltkrieg. Also ist dieser Prozeß der folgende:

In dieser Zeit lä uft ein Prozeß fürjeden Gläubigen. ja, sogar für alle Menschen, einen bleibenden Acker so groß wie die Erdkugel und ein ewiges Besitztum, von einem Ende zum anderen ausgestattet mit Gä rten und Schlössern zu erhalten und dieses Besitztum zu gewinnen oder zu verlieren. Das heißt. daß überjeden einzelnen Menschen ein dermaßen großer Prozeß läuft. daß er- hätte er soviel Vermögen und Kraft wie England und Deutschland. und wä re er auch dabei klug - alles ausgeben würde, nur um diesen Prozeß zu gewinnen. Mit Sicherheit ist derjenige, der auf andere Dinge Wert Iegt. bevor er diesen Prozeß gewonnen hat,ein Wahnsinniger. Ja, dieser Prozeß ist sogar dermaßen in Gefahr geraten, daß nach der Bezeugung eines geistig entdeckenden Heiligen. an einem Ort nur ein einziger Mann unter vierzig Männern gewonnen hat, die von der Hand des Todesengels ihren Entlassungsbescheid bekommen hatten. Neununddreißig davon hatten ihn verloren.

Gäbe es einen Anwalt, der diesen wichtigen, gewaltigen Prozeß gewinnen läßt und der seit zwanzig Jahren mit Erfahrungen acht von zehn diesen Prozeß gewinnt, muß mit Sicherheit jeder Mensch mit Verstand im Kopf einen Dienst, der dieser Anwalt in seinem Auftrag führt, um diesen Prozeß zu gewinnen, über alle Ereignisse wichtiger halten.

Einer von diesen Anwä lten, sogar der Vorderste ist die Risalei Nur, die aus dem Qur'an -der in seiner Bedeutung und in seiner Verkündigung ein Wunder ist - herausgefiltert, entstanden und hervorgekommen ist. Dafür sind die Tausenden. die durch sie diesen Prozeß gewonnen haben, Zeugen.

Es hat sich mit aller Klarheit herausgestellt, daßjeder Mensch, der auf diese Erde mit seinem Auftrag gekommen ist, hier ein Gast und vergä nglich ist. und daß er seinem Wesen nach, nach einem bleibenden Leben orientiert ist. Da die Burgen, die Stützpunkte fürjeden Menschen zur Errettung seines ewigen Lebens in dieser Zeit erschüttert sind, muß er diese seine Welt und alle seine Geliebten darin, mit denen er sich verbunden fühlt, für ewig verlassen; und gleichzeitig lä uft über ihn ein Prozeß. ein ewiges Besitztum - tausende Grad vollkommener als diese Welt - zu gewinnen oder zu verlieren. Wenn man die Urkunde des Glaubens nicht hat, und die religiöse Überzeugung - die der Bescheid zum Freispruch und ein Beleg ist - nicht richtig in die Hände bekommt, verliert man diesen Prozeß . Womit kann man etwa diese Lücke, die aus diesem Verlust entsteht, ausfüllen?

Hä tten meine Mitbrüder und ich, einjeder von uns, hundertfach mehr Vernunft und Verstand, angesichts dieser Wahrheit könnte es lediglich fürden Dienst an diesem gewaltigen, heiligen Auftrag ausreichen. Anderen Dingen Aufmerksamkeit zu schenken, wä re dann für uns überflüssig und sinnlos. Es geschah aber nur so weit, daß wir ungewollt nur soviel Aufmerksamkeit schenkten, wie wir uns, in den Zeilen, da Unverstä ndige uns unnötig und ohne Grund angriffen. gezwungen sahen und da ein Teil der «Nur»-Schüler sich in anderen Aufgaben befand.*

Desweiteren ist es schä dlich, sich in die anderen Prozesse auß erhalb dieses wahrhaftigen und sehr großen Prozesses und in die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Gedanken und Herz und mit interesse zu einzumischen. Denn ein Mann, der solchen weiten, politischen und aufregenden Kreisen aufmerksam folgt und sich damit beschä ftigt, bleibt in den wichtigen Diensten, mit denen er in einem kleinen Kreis beauftragt ist, zurück oder seine Begeisterung bricht ab. Auß erdem lä ßt sich derjenige, der auf jene breiten, reizenden Kreise der Politik und der kriegerischen Auseinandersetzungen aufmerksam ist, manchmal verführer. Er kann seinen Auftrag nicht erfüllen, und verliert die Sicherheit im Herzen und seine gute Meinung und Geradheit in seinen Gedanken und Wahrhaftigkeit in seinem Dienst. Auch wenn er sie nicht verlieren sollte, kann er dennoch damit beschuldigt werden. Als ich bezüglich dieses Punktes vor dem Gericht angegriffen wurde, hatte ich sogar gesagt: «Die Wahrheit des Glaubens und des Qur'an, die wie die Sonne ist, unterwirft sich nicht der Anziehung der vorübergehenden Lichter auf der Erde und wird für sie zu keinem Werkzeug. Derjenige, der diese Wahrheit wirklich erkennt,kann sie nicht zu einem Werkzeug für die Ereignisse auf der Erdkugel, selbst nicht für den ganzen Kosmos machen.» Damit habe ich sie zum Schweigen gebracht.

Hier ist die Antwort unseres Meisters zu Ende. Wir bestätigen sie auch mit all unserer Kraft.

Schüler der Risale-i Nur

 

*Das ist ein Hinweis auf die Verteidigungsreden vor dem Goricht.

 

Anmerkung zum zweiten Kapitel des Dreizehnten Wortes als einer der Vergleiche aus der Risale-i Nur

Der wahre Trost aus der Risale-i Nur ist für die Gefangenen unbedingt notwendig. Insbesondere brauchen diejenigen. die für ihren jugendlichen Leichtsinn der Schlag des Schicksals getroffen hat, und die nun den Lenz ihres Lebens im Gefängnis verbringen, die «Lichter» so sehr wie das Brot.

Dasjunge Blut hört in der Tat mehrauf seine Gefühle als auf den Verstand. Doch Wünsche und Gefühle sind blind. Sie sehen die Folgen nicht. Ihre Vorliebe gilt dem Dirhem voll Lust im Hier und Jetzt, nicht dem Batman voll Lust im Dort und Danach. Sie töten voll Lust in einer Minute der Rache und erleiden sodann achtzigtausend Stunden Gefangenschaft. Und im Rausch einer Stunde zerstören Ausschweifungen dort, wo es um die Ehre geht, mit Tausenden von Tagen im Gefhä ngnis, mit Kummer und Sorgen und der Angst vor den Feinden das Glück eines Lebens.

Angesichts all dessen haben unerfahrene, junge Leute so vielgestaltige Abgründe vor sich, welche alle Süßigkeit des Lebens in Bitterkeit und Bedauern verwandeln, und besonders im Norden gibt es ein groß es Land, das über die Jugend und ihre Leidenschaften bestimmt und mit seinen Stürmen unser Zeitalter erschüttert. Denn es sieht die sittenreinen Töchter und ehrenhaften Frauen der Menschen für junge Leute, die blind in ihren Gefühlen, die Folgen nicht sehen,als Freiwild an.Ja,dadurch, daß es den Männern und Frauen erlaubt. nackt zusammen ins Bad zu gehen, fördert es sogar noch diese Unzucht. Zudem betrachtet es das Gut der Reichen für Gauner und arme Leute als erlaubt. sodaß alle Menschen vor einer derartigen Katastrophe erzittern.

Also ist es in unserem Jahrhundert für die islamische Jugend allgemein, und besonders für die türkische dringend notwendig,daß sie dieser Gefahr, die ihr von beiden Seiten droht. mutig und standhaft mit dem scharfen Schwert der Risale-i Nur, nä mlich mit der Risale«Frucht» und «Wegweiser für die Jugend» entgegentritt. Anderenfalls wird diese Jugend in ihrer Unerfahrenheit ihre Zukunft, sowohl in dieser Welt und das Glück ihres Lebens als auch die jenseitige Glückseligkeit und das ewige Leben in Schmerzen und Qualen verwandeln und zugrunderichten, sich durch Mißbrauch und Ausschweifung ins Krankenhaus und durch Gesetzlosigkeit ins Gefängnis bringen. In ihrem Alter wird sie dann mit Seufzen und Wehklagen viel zu bedauern haben. Wenn sie sich jedoch durch die qur'anische Bildung und die lichtvolle Botschaft zu bewahren weiß, wird sie zu einer so starken und mutigen Jugend heranreifen, zu vollkommenen Menschen und glücklichen Muslimen werden, welche Königen gleichen überdie Tiere und alles, was da lebt.

Wenn ein junger Mann nur eine einzige von vierundzwanzig Stunden seines Lebens tä glich im Gefängnis für das fünfmalige Gebet aufwendet, und wenn er da das Gefängnis ihn sehr häufig daran hindert, zu sündigen, auch den Fehler bereut, der ihn in dieses Unglück gestürzt hat, und sich von den übrigen Sünden zurückhä lt, die ihm Schaden und Leiden bringen, wird er daraus einen großen Nutzen sowohl für sein Leben als auch für seine Zukunft, und auch für sein Land, für sein Volk, und für seine Familie ziehen und sich in diesen zehn, fünfzehn vergänglichen Jahren seines jungen Lebens eine ewige strahlende Jugendzeit verdienen, so wie uns das vor allem der Qur’an, ein Wunder der Verkündigung und alle die heiligen Bücher und Offenbarungsschriften zuverlässig berichten und verkündigen.

Dankt er für seine Jugendzeit, dieses schöne Gnadengeschenk, in Geradlinigkeit und im Gehorsam, wird er durch sie in der Tat wachsen und reifen, sie wird ihm auf Dauer und zur Freude sein. Anderenfalls wird sie ihm sowohl Unglück bringen als auch in Schmerzen, Leiden und Alpträumen, die sie ihm verursacht, vergehen. Sie wird ihm zur Ursache, ein Haderlump zu werden, der sowohl seinen Verwandten als auch seinem Volk und Land Schaden bringt.

Einem Gefangenen, der zu Unrecht eingesperrt wurde, vorausgesetzt, er verrichtet seine Gebete. wird jede Stunde zü einem Tag der Anbetung, und das Gefängnis gilt ihm als Einkehrhaus,den Höhlen gleich, in die sich in alter Zeit die Einsiedler, denen gleich auch er zu den Frommen gezä hlt werden darf, zum Gebet zurückzogen.

Jemandem,der arm, alt und krank ist und sich an den Glaubenswahrheiten begeistert, dabei seine Gebete verrichtet und bereut, wird jede Stunde einer zwanzigstündigen Anbetung gleich. und das Gefängnis gilt ihm als ein Erholungsheim, und seinen Freunden, die ihn mit Güte umgehen, als ein Haus, in dem man sich begegnet, ein Haus, in dem man Bildung erwirbt und ein Haus, in dem man Erfahrungen austauscht. Wä hrend seines Aufenthaltes im Gefä ngnis vermag er die Freiheit. frei von aller Verunsicherung und den Verlockungen der Sünde draußen, weit mehr zu genießen. Im Gefängnis vervollständigt sich seine Bildung. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung wird er dann nicht mehr als ein Mörder, als ein Rächer hinausgehen, sondern als ein Mann, der bereut hat, der erfahren, gebildet und ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft geworden ist.

lm Gefängnis in Denizli haben einige den zustä ndige Persönlichkeiten, nachdem sie gesehen hatten, wie Menschen, welche aus den «Lichtern» die Unterweisung in gutem Benehmen auf wunderbare Weise in kurzer Zeit in sich aufgenommen haben, gesagt: «Anstatt sie fünfzehn Jahre zur Zühtigung ins Gefä ngnis zu werfen, hä tte man sie besser fünfzehn Wochen lang in der Risale-i Nur unterweisen sollen: Das hä tte sie weit mehr gebessert.»

Es stirbt nun einmal der Tod nicht, und die Todesstunde ist unbekannt. Sie kann,jeder Zeit kommen. Es wird nun einmal das Grab nicht verschlossen. Schar um Schar steigt hinab und entschwindet. Es ist nun einmal der Tod für die Leute des Glaubens die Umwandlung einer Verurteilung, für ewig verloren zu sein, in den Bescheid ihrer Entlassung, wie dies nach der Lehre des Qur'an aufgezeigt wird, während er für die Leute des Irrweges und der Ausschweifung, in deren Augen nichts als einen Verlust und Verlorenheit auf ewig bedeutet. eine ewige Trennung von allem; was da war und lebte und ihnen teuer war. Es besteht bestimmt und ganz bestimmt kein Zweifel daran, daß der Glücklichste derjenige ist. der dankt in Geduld und die Zeit seiner Inhaftierung dazu nutzt, Unterricht in den «Lichtern» zu nehmen, und sich im vorgegebenen Rahmen der Rechtmäßigkeit darum bemüht, dem Glauben und dem Qur'an zu dienen.

Oh Mensch. der du dem Vergnügen und dem Genüß verhaftet bist! Mir ist in meinem fünfundsiebzigsten Lebensjahre durch tausende von Erfahrungen, Zeugnisse und Erlebnisse mit augenscheinlicher Sicherheit klar geworden: Wahren Genuß, Freude ohne Schmerz, Lust ohne Leid und das Glück im Leben findet man nur, wenn man es im Glauben und im Lichte der Glaubenswahrheiten betrahtet; wenn nicht, hat ein irdischer Genuß viele Schmerzen zur Folge. Es ist, als ob man für eine Traube, die man ißt, zehn Ohrfeigen erhielte; was einem den Genuß im Leben vergä llt.

Oh ihr Armen, die ihr ins Unglilck des Kerkers gestürzt worden seid! Da euch nun einmal die Welt beweint, und euch das Leben bitter geworden ist, müßt ihr euch nun darum bemühen, daß euch nicht auch noch das Jenseits beweint. sondern euch ein ewiges Leben lächelt, es euch süß werde, und ihr so aus eurem Kerker einen Nutzen zieht. So wie angesichts des Feindes eine Stunde Wache unter schwierigen Umstä nden manchmal einem Jahr Anbetung gleich gewertet wird, genauso wird für euch unter diesen schwierigen Bedingungen jede Stunde, die ihr euch um das Gebet bemüht, vielen Stunden gleich, und eure Mühen wenden sich in Erbarmen.

Meine lieben, treuen Brüder.

den in das Unglück des Kerkers Gestürzten und denen, die ihnen von Außen kommend in Güte und Treue Nahrung und Hilfe bringen, möchte ich «Drei Punkte» zu ihrem besonderen Trost, erklären.

Erster Punkt: Die im Kerker verbrachten Tage des Lebens können für den, der jeden Tag verdienstvoll zu gestalten vermag zu zehn Tagen Anbetung werden, und wer die vergänglichen Stunden umzuwandeln versteht. dem werden sie in ihren Früchten zu b1eibenden Stunden für die Seele, und er kann sich in diesen fünf oder zehn Jahren Strafe vor Millionen Jahren einer ewigen Kerkerhaft retten. So besteht denn die Bedingung dafür, diesen so grußen und so wertvollen Gewinn zu erwerben darin, daß man das Gebet verrichtet, die Sünden bereut, welche die Ursache dieser Gefängnisstrafe waren, und Dank sagt in Geduld. Es istja schon das Gefängnis ein Hindernis gegenüber so vielen Sünden und läßt eine Gelegenheit dazu nicht entstehen.

Zweiter Punkt: Das Ende einer Freude ist ein Schmerz, so wie das Ende eines Schmerzes Freude ist. Jeder, der sich vergangener, froher und freudiger Tage erinnert. verspürt im Seufzen seiner Seele einen Schmerz über den Verlust und sagt: «Oh, weh!» Wenn er sich seiner vergangenen unglücklichen, leidvollen Tage erinnert. versptürt er über ihrem Entschwinden eine Freude in seiner Seele. sodaß er sagt: «Elhamdillillah, dieses Unglück hat einen Verdienst mit sich gebracht und ist vorübergegangen.» Freudig atmet er auf. Das heißt also, daß eine Stunde vorübergehender Schmerzen in der Seele eine geistige Freude hinterlä ß t und eine frohe Stunde im Gegenteil einen Schmerz zurücklä ß t.

Da dies nun einmal eine Tatsache ist. und da nun einmal die Stunden eines vergangenen Unglücks zusammen mit ihren Schmerzen entschwunden und in Nichts zerronnen sind, die Tage künftigen Unheils ein Nichts und nicht vorhanden sind, es im Nichts keinen Schmerz gibt und ein Schmerz aus dem Nichtsein nicht kommen kann, so wä hre es, wenn zum Beispiel jemand, aus der Möglichkeit heraus in einigen Tagen Hunger und Durst zu leiden, heute schon in dieser Vorstellung fort und fort Brot äße und Wasser trä nke, doch sicherlich ein Irrsinn. In gleicher Weise, wäre dies doch sicherlich auch ein Irrsinn. wollte er jetzt schon an die Stunden vergangener und kommender Schmerzen, die nicht mehr oder noch nicht da sind, denken und sich ungeduldig zeigen, die Fehler seiner Seele außerachtlassen, stattdessen aber «Ach und Weh!» seufzen, und Gott deswegen anklagen.

Verausgabt man nicht die Kraft seiner Geduld nach rechts und links, das heißt für Vergangenes und Zukünftiges, bewahrt sie stattdessen für die gegenwä rtige Stunde und den heutigen Tag. so genügt das. Das Unbehagen geht von zehn auf eins zurück. Wenn ich mich auch keineswegs darüber beklagen will, so hat mir doch in dieser dritten schule des ägyptischen Joseph, nach einigen Tagen im Unglück meiner körperlichen und geistigen Bedrängnis und Krankheiet, bezsonders der Verzweiflung darüber, daß man mir den Dienst an der Risale-i Nur unmöglich gemacht hat, und der zermürbenden Unruhe in meinem Herzen und in meiner Seele die Gnade Gottes diese obige Wahrheit aufgezeigt. Auch ich bin in der Plage meiner Krankheit und meiner Gefangenschaft zufrieden, denn «Für den, der so wie ich. hitflos an der Schwelle zum Grabe eine Stunde in Gottvergessenheit vorübergehen lassen könnte, ist es ein großer Gewinn, daraus zehn Stunden der Anbetung zu machen,«habe ich gesagt und dafür gedankt.

Dritter Punkt: Den Gefangenen in Liebe zu helfen und zu dienen. ihnen den notwendigen Lebensunterhalt zukommen zu lassen, die Wunden und Schmerzen ihrer Seele mit dem Balsam der Tröstung zu lindrn, ist mit wenig Mühe eine verdienstvolle Handlung, und ihnen die Speisen zu reichen, die ihnen von außen gebrcht werden, wird diesen Wä chtern und denen, die innerhalb wie außerhalb mit den Wächtern zusammenarbeiten, einem Almosen gleich, in das Buch ihrer guten Werke eingetragen. Ist

insbesondere der Unglückliche noch dazu alt oder krank oder arm oder ein Fremdling, so vermehrt sich der Lohn solcher wohltätigen. einem Almosen gleichenden Handlungen noch beträ chtlich.

So ist die Bedingung für ein so hohes Verdienst die Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete, damit dieser Dienst um Gottes Willen sein solle. Zudem ist es noch eine Bedinugung, in Treue, mit Liebe und Freude.jedoch ohne einen Dank zu erwarten, zu einer solchen Hilfeleistung zu eilen.

Oh meine Mitgefangenen und Brüder im Glauben!

Um euch sowohl vor den Qualen in dieser Well als auch vor den Qualen in jener zu erretten, ist mir in meinem Herzen eine Ermahnung zuteil geworden, euch die folgende Wahrheit zu erklären:

Beispiel: Es habe jemand eines anderen Bruder oder Verwandten ge getötet. Diese eine Minute der Befriedigung seiner Rachegelüste durch einen Mord zieht sowohl Millionen von Minuten in Herzensqualen als auch eine Gefä ngnisstrafe nach sich. Zudem sind die Verwandten des Ermordeten durch Rachegedanken und Vorstellungen. die stä ndig um ihre Feinde kreisen, um den Reiz des Daseins gebracht, und haben ihre Freude am leben verloren. So leiden sie einerseits unter Furcht und andererseits quälen sie sich noch in ihrem Zorn. Dagegen gibt es nur ein Mittel. und das heißt: Dem Befehl des Qur'an entsprechend, und so wie es Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, das Wohl und menschlich wie islamisch richtiges Verhalten empfiehlt und erfordert, Frieden zu schließen und sich zu versöhnen.

Wahrhaftigkeit und Wohlverhalten bedeuten in der Tat den Frieden. Denn es gibt nur eine Todesstunde, und die verschiebt sich nicht. Jener Ermordete hätte injedem Falle nicht längerals bis zum Eintritt seiner Todesstunde verweilen können. Was aber den Mörder betrifft, so ist er zu einem Werkzeug göttlicher Vorausschau geworden. Wo es keine Versöhnung gibt, leiden beide Seiten stä ndig unter der Geißel der Blutrache und der Furcht vor ihr. Darum befiehlt der islamische Glaube:«Mehr als drei Tage solt ein Glä ulubiger einem anderen Gläubigen nicht zürnen.»

Besonders aber dann, wenn dieser Mord nicht die Folge einer Feindschaft oder haß erfüllter Rachegedanken war, wenn jemand als ein Werkzeug der Zwietracht dazu aufgehetzt hatte. ist es dringend notwendig, sich rasch wieder zu versöhnen, sonst wird aus dem Unglück eines einzelnen eine allgemeine Tragödie und setzt sich so fort. Schließt man aber miteinander Frieden, und bereut der Mörder seine Tat und betet immer wieder für sein Opfer, dann werden beide Seiten ein hohes Verdienst erwerben und einander wie Brüder werden.

So gewinnt man im Glauben gleich mehrere Brüder anstelle des einen Dahingeschiedenen. Dort wo man sich der göttlichen Vorausschau anvertraut, in das Geschehene und in den Willen Gottes ergibt, seinem Feinde verzeiht, dort wird man, da nun einmal alle die Lektionen aus der Risale-i Nur gehört haben sicherlich auch jeglichen Groll untereinander aufgeben, was,ja das Wohlverhalten des Einzelnen und die Befriedung aller als auch die Brüderlichkeit nach der Lehre der «Lichter» erfordert.

Ebenso wie alle Gefangenen im Gefä ngnis von Denizli, die einander Feinde waren, durch die Unterweisungen der «Lichter» einander Brüder geworden sind. und dies auch zu einem Grund für unseren Freispruch geworden ist, und dies alle (ja sogar die Gottlosen und die ,Schurken) dazu gebracht hat, angesichts der Gefangenen «Maþaallah, Barekallah» zu sagen und alle Gefangenen wieder aufatmen durften*, habe auch ich gesehen: Wegen eines einzigen Menschen mußten hundert Menschen leiden und konnten nicht miteinander zur Pause gehen. Sie wurden unter Druck gesetzt. Ein Glä ubiger, der ein Mann ist und ein Gewissen hat, wird nicht wegen kleiner, persönlicher Mißhelligkeiten oder Vorteile hundert andere leiden lassen. Hat er einen Fehler begangen,soll er schnell um Vergebung bitten.

 

 

 

*Die miteinander verfeindeten Gefangenen hatten es bis dahin aus angst und Mißtrauen gegeneinander verhindert, miteinander in den Hof zugehen. Der hier verwendete türkische Ausdruck bedeutet sowohl «aufatmen» als auch «Luft schöpfen, Pause machen*. - A. d. Ü

 

Meine lieben neu gewonnenen Brüder und seitherigen Mitgefangenen!

Ich bin zu der festen Überzeugung gelangt, daß ein wichtiger Grund für unsere Einlieferung hier gemäß der Gnade Goltes gerade ihr seid. Es geschieht dies nämlich, um euch durch die Tröstungen der «Lichter» und die Glaubenswahrheiten in der Bedrängnis durch das Unglück eurer Gefangenschaft und der Nutzlosigkeit eures Lebens, das euch aus den vielen schädlichen Einflüssen in dieser Welt mit ihrem Kummer und den vergeblichen Sorgen erwä chst. seiner Sinnlosigkeit und Verlorenheit und vor einem solchen Weinen im Jenseits. wie es dem Weinen hier im Diesseits gleicht. zu retten und euch so eine vollkommene Tröstung zu bringen. Unter den gegebenen Umständen solltet sicherlich auch ihr, wie die Gefangenen in Denizli und die «Nur»Schüler, miteinander Brüder werden. lhr seht ja: Um zu verhindern, daß ein Messer hereingebracht wird, mit dem ihr euch gegenseitig bedrohen könntet, werden alle Dinge, die von außen herein gebracht werden, das Essen, das Brot und die Suppe, untersucht. Die Wächter, die euch in Treue dienen, geben sich große Mühe. So solltet auch ihr, wenn ihr miteinander zur Pause geht, nicht wie Wölfe und wilde Tiere übereinander herfallen.

So sollt ihr denn nun heute, ihr, in deren Adern das Blut derer rollt. dia als tapfere Männer geboren wurden, als die neuen Kameraden, mit einer großen, inneren Standhaftigkeit zu euren Oberen sagen: «Gäbe man in unsere Hände nicht nur ein Messer, nein, selbst ein Gewehr oder einen Revolver und gäbe man uns selbst den Befehl dazu. wir würden unsenren armen Kameraden, die wie wir im Unglück sitzen, kein Haar krümmen. Auch hätten wir früher hunderterlei Arten von Haß und Feindschaft gegeneinander getragen, so sind wir doch nun entschlossen, unser Recht ihnen gegenüber zu löschen, uns darum zu bemühen, sie nicht zu kränken. wie es uns der Qur'an. der Glaube. die islamische Bruderlichkeit und unser Wohlverhalten befiehlt und lehrt.» So wandelt denn nun dieses Gefä ngnis zu einer segensreichen Schule um.

Eine wichtige Anmerkung, die mir in der Nacht «Qadr» offenbar wurde.

Anhang zum zweiten Kapitel des Dreizehnten

Wortes

In der Nacht «Qadr» ist mir eine Wahrheit lang und breit ins Herz gedrungen, die ich hier ganz kurz ausdeuten möchte. Es ist dies wie folgt:

Aufgrund der furchtbaren Ungerechtigkeiten und der furchtbaren Unterdrückung der Menschheit in diesem letzten Weltkrieg und seiner gnadenlosen Zerstörungen und der vielen hundert Unschuldigen, die wegen eines einzigen feindlichen Soldaten zugrunde gerichtet wurden, und der schrecklichen Verzweiflung der Besiegten und der schrecklichen Panik der Sieger, weil sie ihren Herrschaftsbereich nicht verteidigen können, und ihrer schrecklichen Gewissensqualen, weil sie den großen Schaden nicht wieder gutmachen können, und der allgemeinen Einsicht in die totale und absolute Nichtigkeit und Vergänglichkeit des irdischen Lebens und in die Trug- und Traumbilder der Zivilisation, und der allgemein verbreiteten schrecklichen Verwüstungen in den großartigen Anlagen und im Kern humanistischer Gesinnung auf dem Grunde menschlichen Wesens, und der Vertreibung von Gottvergessenheit, Irrglaube und tauber, unfruchtbarer Naturphilosophie mit dem diamantenen Schwerte des Quran, und der Erkenntnis des so häßlichen und so erbärmlichen wahren Gesichtes der allgemein über die Erde verbreiteten Politik, deren trügerischer Schleier aus Gottvergessenheit und Irrtum alles überdeckt und erstickt, besteht sicher und gewiß kein Zweifel daran, daß die Menschheit, wie wir das im Norden, im Westen und in Amerika bereits in Spuren erkennen können, weil das irdische Leben, das ihre weltliche Geliebte ist, so abstoßend und vergänglich ist, auf ihrer Suche nach ihrem in Wahrheit geliebten Menschenwesen das ewige Leben mit ganzer Kraft suchen wird, und es besteht sicherlich auch kein Zweifel daran, daß es der Quran, ein Wunder der Verkündigung, der seit 1360 Jahren mit seinen 350 Millionen Schülern in jedem Jahrhundert und Millionen Kennern der Wahrheit, die alle seine Verordnungen und Lehren mit ihrer Unterschrift bestätigen, der in den Herzen von Millionen seiner Rezitatoren wohnt, mit deren Zungen er in jeder Minute die Menschen unterrichtet, der in einer Weise, die keinem anderen Buche vergleichbar ist, der Menschheit die frohe Botschaft vom ewigen Leben und der ewigen Glückseligkeit verkündet, der die Wunden der ganzen Menschheit heilt, daß es dieser Quran ist, den, weil er mit tausenden von Ayat mächtig und kraftvoll immer wieder, ja sogar zehntausend Mal ausdrücklich oder hinweisend einlädt und berichtet und mit unerschütterlich sicheren Beweisen, mit zahllosen, unbezweifelbaren Zeugnissen die frohe Gewißheit vom ewigen Leben ausruft und die Lehre von der ewigen Glückseligkeit bringt,die Menschheit sicherlich, falls sie nicht ganz und gar den Verstand verloren hat, oder der Untergang der materiellen oder geistigen Welt über sie hereingebrochen ist, wie dic berühmtcn Schriftsteller, die sich darum bemühen, daß in Schweden, Norwegen, Finnland und England der Quran angenommen werden möge, und wie die bedeutende Gruppe in Amerika, die den wahren Glauben sucht, ja große Länder und ganze ,Staatenbünde diesen Quran, dieses Wunder der Verkündigung, suchen und, nachdem sie seine Wahrheit verstanden hat, mit ganzem Herzen und ganzer Seele annehmen wird. Denn vom Standpunkt der Wahrheit aus betrachtet hat der Quran mit Sicherheit nicht Seinesgleichen und nichts kann den Platz dieses so großen Wunders einnehmen.

Die Risale-i Nur hat in der Hand des großen Wunders (d.h. des Quran) nicht nur als ein diamantenes Schwert gute Dienst erwiesen und ihre verstockten Feinde zur Aufgabe gezwungen, sondern vermag zudem auch das Herz, desgleichen auch den Geist und auch die Gefühle vollständig zu erleuchten, ihnen Heilmittel zu bereiten und auf diese Weise die Schätze des Quran bekannt zu machen. Die Risale-i Nur kennt außer ihm kein Quellen oder Nachschlagewerk,spiegelt vielmehr seine Bedeutung vollkommen wider, hat alle Gegenpropaganda überstanden und die so starrsinnigen Atheisten vollständig besiegt. Sie hat die so feste und starke Burg der Naturphilosophen mit ihrer «Natur Risala» in Stücke geschlagen und die sich bis in weite Fernen ausdehnende Finsternis einer völlig undurchdringlichen, erstickenden Gottvergessenheit vertrieben, die sich so weit ausdehnenden Schleier der Naturwissenschaften mit der sechsten Problemstellung der «Frucht Risala» und mit dem ersten, zweiten, dritten und achten Zeugnis in dem Band «Stab Mosis» auf eine wirklich glänzende Weise zerrissen und das Licht der Einheit Gottes aufscheinen lassen.

Said Nursi