DIE STIMME DES SYSTEMS

Teil 1

AHMED HULÛSI ÜBERSETZUNG von Susanne Öz

Wie alle unsere Werke, hat auch dieses Buch kein Urheberrecht.

Unter der Bedingung dem Original treu zu bleiben, kann es von jedem

gedruckt, vervielfältigt, herausgegeben und übersetzt werden.

Für das Wissen um Allah kann man keinen Lohn fordern.

 A.HULUSI

  

Ich habe versucht Allah zu erklären,

Sie aber haben ihre „Götter“ einem „Update“ unterzogen

und sie mit dem Etikett „Allah“ versehen

                                                                                                                  A.H.

EINLEITUNG

 Meine Freunde...

 Die Beiträge, die Sie in diesem Buch lesen werden, stammen im Original von unserer Web – Seite im Internet, wo sie unter der Rubrik „Die Stimme des Systems“ im wöchentlichen Abstand erschienen sind. In diesem Buch haben wir sie nicht nach dem Erscheinungsdatum, sondern nach der Themenzugehörigkeit geordnet.

 Dank meiner Überzeugung, zu der ich in langjähriger Erforschung gekommen bin und meinem Glauben, welcher der Gnade Allahs entspringt, habe ich die Möglichkeit, den Islam und Hz.[1] Mohammed Mustafa, aus einer völlig anderen Sicht zu sehen. Mit dieser Einstellung bin ich der Wahrheit nahe gekommen, mit der sich sehr viele Probleme unserer heutigen Zeit lösen lassen.

 Wenn es uns gelingt, diesen Blickwinkel mit guten Absichten und aufrichtig zu teilen, dann werden wir sehen, dass viele Probleme, die aus einem falschen Verständnis und Fehlinterpretationen entstanden sind, gelöst werden und wir werden einem sehr differenzierten Islam und Koranverständnis gegenüberstehen.

 Zu den wichtigen Themen, die Sie in diesem Buch lesen können, gehört einmal der immense Unterschied zwischen dem Begriff „Gott  und dem, worauf mit dem Namen „Allah“ hingewiesen wird und dem ebenso großen Unterschied zwischen den Begriffen „Prophet“ und „Rasul“.

 Daneben werden Sie mit vielen Themen und unterschiedlichen Fakten konfrontiert werden, die sich von den Herkömmlichen stark unterscheiden... zum Beispiel über das „Lesen“ und über den „Geist des Korans“...

 Unter den Themen in diesem Buch werden Sie viele, bis heute noch nicht behandelte Gedanken finden, die meinen privaten Ansichten entstammen!... Diese stellen vielleicht den Hauptgrund für mein Existieren dar!...

 Natürlich müssen Sie meine Ansichten nicht teilen!... Aber ich hoffe, dass Sie wenigstens zu der toleranten Einstellung kommen, dass man die Themen auch von dieser Warte aus betrachten kann...

 Wenn ich Ihnen das, was ich Ihnen vermitteln möchte, begreiflich machen kann...

 Worauf mit dem Namen „Allah“ hingewiesen wird...

Die Definition der Eigenschaften eines „Rasuls“...

Was mit dem Begriff „Jenseits“ (Âhiret) beschrieben wird...

Was unter dem Begriff „Salât“ (Hinwendung) von uns erwartet wird...

Mit welchem Bewusstsein „der Geist des Korans“ zu „lesen“ ist...

Wenn es möglich ist, dass Hz. Mohammed, Friede sei mit ihm und das, was er offenbarte, universal gültig ist...

... dann denke ich, werden Sie das Weltall, das Universum, ihre Umgebung und ihre Nächsten mit ganz anderen Augen sehen.

 Zusätzlich zu dem, was ich in diesem Buch vermitteln möchte, sehe ich mich gezwungen, folgendes noch einmal ausdrücklich zu betonen:

 Außer dem Umstand, dass ich ein Denkender bin, der diese Themen seit Jahren untersucht, habe ich keine andere Berufung und keinen Titel!

 Ich habe weder einen speziellen Weg, noch habe ich Anhänger oder eine Gefolgschaft und strebe dies auch nicht an! Jeder muss mit seinem eigenen Verstand, vielleicht auch unter Zuhilfenahme meiner Erörterungen, seinen eigenen Weg finden und die Folgen davon auch leben!

 Es gibt niemanden, der in meinem Namen sprechen kann und so wird es auch in Zukunft bleiben! ...

 Diejenigen, welche das, was ich geschrieben habe, soweit sie es verstanden haben, mit ihrer Umgebung teilen möchten, können höchstens in ihrem eigenen Namen sprechen. Was andere sagen oder schreiben, ist für mich nicht bindend! Jeder kann aus meinen Schriften nur das weitergeben, was er daraus verstanden und gefolgert hat; ich bin nur für das verantwortlich, was ich selbst geschrieben habe!

 Nachahmung ist ein großer Fehler, welcher bis zur Infragestellung der Würde und des Ranges eines Menschen führen kann.

Hz. Mohammed, Friede sei mit ihm, ist nicht dazu gekommen, um nachgeahmt zu werden, sondern um verstanden zu werden und hernach das Erforderliche zu tun! Wenn man selbst diese hohe Person nicht nachahmen soll, welch großen Fehler stellt dann die Nachahmung anderer Menschen dar!

 Dort, wo Sie nicht verstehen können, müssen Sie entsprechend Ihrer Gedanken, an die Sie glauben, handeln, aber vernachlässigen Sie niemals, diese Gedanken in Frage zu stellen, damit Sie die Wahrheit, die diesen Gedanken zu Grunde liegen, ergründen.

 Mein Freund, vergiss bitte folgendes niemals...

 In der Dimension, in die Du morgen mit Deinem Tod eingehen wirst, gibt es den Begriff der Ausrede mit Bestimmtheit nicht und außerdem wirst Du niemals die Chance erhalten, auf diese Welt zurückzukehren um das Versäumte nachzuholen... Du wirst in dieser Dimension lediglich mit den Ergebnissen Deines hiesigen Handelns automatisch konfrontiert werden!...

 Wie wichtig sind Dir die Dinge, die Du für alle Ewigkeit hier zurücklassen wirst?

 Wie wichtig ist Dir das, was Du für alle Ewigkeit bei Dir haben möchtest?

 Treffe Deine Auswahl nach reiflicher Überlegung, auf dass Du in Ewigkeit nie wieder in Bedauern darüber verfallen wirst!

 Ich hoffe, dass in Deiner Veranlagung die Gabe dieses alles zu beurteilen vorhanden ist und das Buch der Anlass dazu wird, Dich zu vielen Schönheiten zu führen.

 Möge Allah diese Schönheiten unter seinem Namen „Selâm“ bei uns allen zutage treten lassen!

  AHMED HULÛSI

        07.01.1999

MANHATTAN. N.Y.

 

  

WAS IST EURE ABSICHT?

 Kommt meine Freunde, lasst uns ganz offen miteinander reden.

 Erst möchte ich das, was ich loswerden möchte, sagen.

 Lasst uns aufrichtig reden, interessiert Dich die Religion Islam wirklich mein Freund?

 Wenn sie Dich nicht interessiert...

 Dann bist Du trotzdem wertvoll für mich!

 Als ich in Antalya lebte, habe ich viele verschiedene Pflanzen großgezogen... ich habe mit ihnen gesprochen und das hat sie sehr erfreut! ... Ich hatte auch Kanarienvögel, von der norwegischen Sorte, ich habe viele Jungvögel mit eigener Hand aufgezogen und sie sind auf meinen Schultern und meinem Kopf herumspaziert! ... Ich hatte auch eine Van- Katze, die einer Baumwollflocke glich! ...Eines ihrer Augen war blau und eines war gelb und sie ist lange Jahre nicht von meiner Seite gewichen... Und erst die Schleierschwänze und Löwenköpfe im Aquarium!... Du wirst schon verstanden haben, dass alle Geschöpfe, die unter dem Namen Allah geeint sind, sehr wertvoll für mich sind...

 Dabei kannst Du gar nicht wissen, dass sich das „Muselmanentum“, von dem Du bisher gehört hast, sich grundlegend von der Religion Islam unterscheidet, weil Du dies bisher nicht untersucht hast! 

Du kannst nicht wissen, dass kein intelligenter Mensch den Islam ablehnen kann, da dass, was Du bisher in Wort und Tat gesehen und gehört hast, nicht mit Deiner Logik vereinbar war... das ist nicht weiter schlimm!

 Selbst wenn Du Dir selbst, Deines „Kalif sein auf Erden“ nicht bewusst bist, wie könnte ich Dich nicht lieben, Dich ausgrenzen?... Soweit mein Wissen reicht, möchte ich Dir mit Freuden auf allen Gebieten behilflich sein... warum sollte ich Dir hier zur Last fallen, wo Du doch in Zukunft genügend Ärger bekommen wirst, weil Du das Notwendige nicht erforscht und hinterfragt hast und ihm mit Vorurteilen begegnet bist.

 Du sollst wenigstens diese Tage gut verbringen, mein Freund... Du wirst nur die Rechnungen für deine Versäumnisse schwer zu tragen haben, das ist alles!...

 Und Du mein Freund, warum interessierst Du Dich für die Religion?

 Ist es Dein Anliegen, Dich aus der Hölle zu erretten und einen Platz im Paradies zu ergattern? Glaubst Du, mit ein paar Verbeugungen und Mätzchen, ein bisschen hungernd, das Fasten hinter Dich bringend und mit den Worten, „Ich bin gläubig“ einen Platz im Paradies zu ergattern?

 Schau mein Freund... Schauen wir den Tatsachen ins Auge...

 In dem Augenblick, in dem der Mensch auf diese Welt kommt, steht fest, ob er am Ende ins Paradies kommt oder nicht. Und dies ist mit Bestimmtheit später nicht zu ändern!

 Als Resultat eines Programms, welches am 120. Tag in der Gebärmutter, beim Föten in Gang kommt, wird eine Frequenz erzeugt, welche in der Seele gespeichert wird und eine Dimension der Seele bildet. Diese wird später gewährleisten, das Du in die Dimension des Paradieses eingehen wirst, oder aber Deinen Übertritt in diese Dimension verhindern!...

 Das ist das Resultat, der Mechanismus und die Arbeitsweise des Systems, welches für alle Menschen, mich eingeschlossen, gültig ist!... Es gibt noch weitläufigere Erklärungen dazu, der Mechanismus besitzt eine bestimmte Ordnung, aber ich möchte hier nicht ins Detail gehen, um das Thema nicht zu verzetteln...

 Du wirst jetzt sagen, wenn sich das so verhält, warum soll ich dann die Ibadet genannten religiösen Handlungen ausführen, wo doch schon alles feststeht?

 Schau, das will ich Dir kurz erläutern...

 Alles, was Du unter dem Begriff „Ibadet“ tust, dient Dir selbst!...Es ist nicht dazu bestimmt, einen Gott im Himmel zufrieden zu stellen und ihn Dir gewogen zu machen!...

 So, wie Du auf Deine Nahrung achten musst, wenn Du gesund bleiben möchtest, so wie Du Dich durch Training auf den Sieg bei einem Wettkampf vorbereiten musst, so wie Du dazu verpflichtet bist, mit vollem Einsatz zu arbeiten, um eine hohe Stellung, einen guten Posten zu bekommen, so ist das, was Du im Leben nach dem Tod erreichen kannst, an Deine Handlungen gebunden, die Du nur auf dieser Welt, im Vollbesitz Deines Gehirns vollbringen kannst!...

 Da es den Gott im Himmel nicht gibt, der von dort oben herab seine Erlasse heruntersendet, hängt alles von Deinem Tun ab!

 Von der Art Deines heutigen Tun, hängt auch die Art der Resultate ab, mit denen Du morgen konfrontiert wirst!

 In Deiner Wirklichkeit ist nicht nur der Engel Gabriel und der Todesengel Azrail, sondern auch Münker und Nekir[2] enthalten...Morgen wirst Du in verschiedenen Stadien, mit ihnen von Angesicht zu Angesicht stehen, mit manchen wirst Du freundschaftlich verkehren und von einigen wirst Du getadelt werden!... Hast Du nie daran gedacht, wie das werden wird?

 Wenn Du bei Deiner „Hinwendung“ die Fatiha - Sure ohne über deren Bedeutung nachzudenken, dahersagst, wie soll Dir da die Wirklichkeit offenbar werden? Das, was Du tust, kann dann nur die Verrichtung des Pflichtgebetes sein, aber niemals ein „Salât-i ikâme“, ein „erfülltes Gebet“! Hast Du nie den Koranvers gelesen:

 „feveylün lilmusalliyne elleziyne hüm an salâtihim sâhun“

                                                                                                      (107/4-5)

 „Es gibt viele unter denen, welche die vorgeschriebenen Gebete verrichten und doch nicht mehr als Müdigkeit erlangen. Es gibt die, welche viel fasten und doch nichts anderes als Hunger erleben...“ Hast Du die Warnung und die Zeichen nicht gehört, erkennst Du sie nicht? Hast Du nie davon gehört, dass die Menschen mit Klatsch und Tratsch, mit üblen Nachreden über ihre Mitmenschen und mit Verachtung nicht „fasten“ können?

 Auf Sitten, Gebräuchen oder Nachahmung basierende Handlungen stellen mit Bestimmtheit keine religiösen Praktiken dar!

 Wenn Du ein Resultat und einen Nutzen aus Deinem Tun erzielen möchtest, dann musst Du daran glauben, dass das, was Du tust, unerlässlich ist und Dich Deinem Tun so widmen, wie es das verdient, selbst wenn Dir der Hintergrund Deines Tun unbewusst und der tiefe Sinn verborgen bleibt!

 Denn es wird Dir, aufgrund Deines Tun, niemand von außen etwas geben, Du wirst einzig den Nutzen aus Deinem Tun ziehen können! ... Etwa so, wie derjenige der Honig isst, den Nutzen aus den Eigenschaften des gegessenen Honigs erfährt. Es wird Dir nichts von außen zuteil, weil Du Honig gegessen hast!

 Der Rasul Allahs hat Dir gemäß der Ordnung des Systems, welches von dem, der mit dem Namen Allah bezeichnet wird, geschaffen wurde, die notwendigen Informationen zukommen lassen...

 Wenn Du diese Informationen verwendest und in der entsprechenden Art und Weise lebst, so wird dies als „Hidayet“ Allahs, als rechte Führung auf dem Weg und als „Schefâat“ des Rasuls bezeichnet. Das bedeutet, dass Du entsprechend dem Wissen lebst und das Wissen anwendest und dies wird dann als „Dankbarkeit zeigen durch die geistige Haltung“ bezeichnet. Das Gegenteil hiervon ist Undankbarkeit!...

 Undankbarkeit ist, den Wert von etwas nicht zu erkennen oder es nicht gebührend zu verwenden!

 Bitte versteh endlich, was ich Dir mitteilen möchte und hör auf, Dich selbst zu betrügen!

 Reinige Dich von dem althergebrachten, auf Göttern und Propheten gegründetem Religionsverständnis, benutze Deinen Verstand, glaube an Allah und seinen Rasul, so wie es vordem Hz. Ali, Abdulkadir Geylani, Haci Bektaschi Weli, Gazali, Mevlana, Yunus und viele andere getan haben, versuche den „Geist des Korans“ zu „Lesen“, sieh die Wahrheit, versuche sie zu verstehen und die Konsequenzen daraus zu leben!

 Versuche in Deinem Bewusstsein einen Übergang von dem zweidimensionalen, persischen Konzept der Gebetsübung (Namas kilmak), zu der dreidimensionalen Aufstellung, zur Ausführung des Salât (Hinwendung) zu erlangen, damit Dir das Tor zur „Miraj“ geöffnet wird! Begreife, dass das Fasten (Orudsch) nicht gleichbedeutend mit Hunger leiden ist, auf dass das Licht der Einheit (Samediyyet) für Dich, von innen heraus, als Deine Wahrheit sichtbar wird!

 Verstehe das System und die Ordnung der wirklichen Welt, erkenne die Wahrheit, damit Du verstehen kannst, wie das Unsichtbare (Batin) zu Sichtbarem (Zahir) wird... möge das Sichtbare (Zahir) Dir helfen, das Unsichtbare (Batin) zu verstehen!...

 Du mein Freund, der Du vorgibst, Dich mit Tasawwuf (Mystik) und Sufismus zu befassen...

 Du vertust Dein Leben mit Gleichnissen und Symbolen, ohne die Wahrheit, auf welche diese hinweisen, zu erfassen. Du wirst wie ein Mensch von dieser Welt scheiden, der tausendmal am Tag das Wort Honig aufsagt, ohne jemals Honig gekostet zu haben!... Dabei hat man Dir aufgetragen, das Wort Honig als Sikir zu gebrauchen, auf dass Du erkennst, was Honig ist, ihn findest und kostest und seine Geschmacksvollendung schmeckst!... Wie oft willst Du das Wort Honig noch wiederholen?!

 Wann willst Du folgenden Koranvers „lesen“, über seine Bedeutung nachdenken, sein Geheimnis ergründen und das Erlebte verdauen?... Wenn Du willst, denk einmal darüber nach:

Allah hat sieben Schichten des Himmels (Sema) und die gleiche Anzahl auf  Erden erschaffen, damit sein Gebot zwischen ihnen hinabsteige (tenezzül).“   (65/13)

                                                                                                 21.11.1998

                                                                                           New Jersey USA

 

 

FÜRBITTE UND POLYTHEISMUS

    (SCHEFÂAT UND SCHIRK)

 

Junior: Ja, gib uns ein Festtagsgeschenk, damit wir glücklich sein können...

 

Cemo: Der Körper hat ein Alter, aber das Bewusstsein hat keines!... Das Alter des

            Bewusstseins ist das Alter des Wissens (ilim)!...Und das Fortschreiten

            des Wissensalters ist an Dein gesundes Leben und Deine Fähigkeit zur tief-

            greifenden Überlegung auf dieser Welt gekoppelt...

            Es kommt mir so vor, als sei es das Klügste, unser Wissensalter so schnell

            wie möglich voranzutreiben und von dieser Welt zu scheiden!... heißt es nicht

            „Gestern ist in der Vergangenheit geblieben, mein Lieber... Heute müssen wir

            von neuem beginnen !“...

 Gestern wurde ich in einer Unterhaltung gefragt: „Es heißt, dass die Fürbitte (Schefâat) des Rasul Allahs, dem Volk der Kebâir gilt. Was bedeutet das?“...

 Wer ist das Volk der Kebâire (Ehli- Kebâir)? ...

 Ich habe in meinen Erläuterungen gesagt, dass wir hier auf zwei Dinge besonders achten müssen:

Erstens, was ist „Schefâat“ (Fürbitte)? ... Wie funktioniert es? ...

Zweitens, was versteht man unter „Kebâir”? ...

 Gemeinhin wird angenommen, dass „Schefâat“ meint, dass Dich jemand am Arm nimmt, hinter sich herzieht und an einen Ort befördert!...

 Glaubst Du wirklich, dass Dich jemand unterhakt und an einen Ort bringt?!

 Schefâat gibt es auf dieser Welt, im Jenseits... , am Auferstehungstag und in der Hölle...

 Es gibt das Schefâat des Rasul Allahs, Friede sei mit ihm, das Schefâat der Ewliyâ und das Schefâat der Alim, der Weisen und Wissenden...

 Was ist nun dieses Schefâat?

 Worauf bezieht sich das Schefâat?

 Ist das Schefâat nur darauf gerichtet aus der Hölle zu entkommen???

 Was ist die größte Sünde?...

 „innesch schirke lezulmün azim!“...

Der Koranvers besagt, dass Vielgötterei (Schirk) die größte Ungerechtigkeit (zülum) ist!

 Das bedeutet, Allah die Eigenschaften eines Gottes zu unterstellen! Das ist unter „Schirk“ zu verstehen!...

 Es wurde uns gesagt... „Ich habe Angst davor, dass ihr dem heimlichen „Schirk“ anheim fallt, bei meinen Anhängern (Ümmet) wird es nämlich keinen offenen Schirk mehr geben.“

 „Kebâir“ ist die „Verehrung eines Gottes“!... Es ist die größte Sünde und gleichzeitig die Wurzel allen Übels!

 In der Wurzel aller Sünden liegt „verborgenes Schirk“ – „Der Glaube an einen Gott „!

 Die Warnung in dem Koranvers: „Oh Ihr Gläubigen... glaubt an Allah!“ war an die Zeitgenossen (Sahabe) gerichtet, die an Hz. Mohammed und an den Koran glaubten, aber sich noch nicht von dem Begriff eines Gottes gelöst hatten... Wenn die Gefährten, die den Rasul Allahs von Angesicht zu Angesicht sahen (!), in solch einem Zustand waren ... was sollen wir da sagen?!

 Der Weg zum Glauben an Allah und der Weg zur Rettung aus der Hölle, führt alleine durch das Schefâat um von dem „verdeckten Schirk“ befreit zu werden! ...

 Wenn wir den Koranvers: „Solange Allah die Erlaubnis dazu nicht gibt, kann niemand niemandem Schefâat geben.“ verstehen, als „Niemand kann ohne die Erlaubnis Gottes Schefâat geben“... dann wird unser Höllenfeuer so schnell nicht verlöschen! Wir werden wieder und wieder brennen!...

 Was ist der Unterschied zwischen den Sätzen „Niemand kann ohne die Erlaubnis Gottes Schefâat geben“ und „Niemand kann ohne die Erlaubnis Allahs, Schefâat geben“?

 Wenn wir einen Gegenstand unseres Hauses,  in der Schatzkammer des Topkapi Palastes suchen würden, könnten wir ihn dort nicht finden!... Denn er befindet sich in unserem Haus!...

 Wie kann uns das Schefâat erreichen, wenn wir es doch gleichzeitig zurückweisen?...

 Wie können wir das Schefâat sehen und erlangen, solange unsere Einsicht von einem Schleier verschleiert ist?...

 Solange wir an einen Gott glauben... solange wir an einen Boten dieses Gottes und an die schriftlichen Anordnungen im herabgesandten Buch des arabisch sprechenden Gottes glauben!...

 Solange wir daran glauben, dass die Heiligen (Ewliyâ) Gottes durch vielfältige Wundertaten, geradezu mit dem Wink eines Zauberstabes, uns vor der Hölle bewahren können... wie soll uns da Schefâat zuteil werden?...

 Wenn Allah (aus unserem Innersten heraus) die Erlaubnis nicht gibt, wenn wir das Schefâat aus unserem Innersten heraus ablehnen, wer kann uns dann Schefâat zukommen lassen?... Wie kann der Schleier, der die Einsicht verhüllt, entfernt werden, damit wir zum Schefâat gelangen?... Wie können wir von dem verborgenen Schirk gereinigt werden und dann an den glauben, der mit dem Namen Allah bezeichnet wird, der die Wirklichkeit von allem und die Quelle unseres Vorhandenseins ist. Wie können wir den Koran „lesen“, wo es doch heißt, dass die vom (Schirk) nicht gereinigten ihn nicht berühren sollen? ...

 Wenn es nach uns geht, dann müsste zuerst die Erlaubnis von Allah (Aus unserem Innersten heraus) gegeben werden, damit uns Schefâat zuteil wird... danach gilt es, das Schefâat zu nutzen, um die restlichen, oberflächlichen Schleier zu entfernen... um dann endlich davon Abstand zu nehmen, dem eigenen Selbst, dem Bewusstsein, der Seele das  Zustehende zu versagen (Zulüm)

 Solange Du Dein Selbst daran hinderst, seine Wirklichkeit zu leben, solange tust Du Dir selbst Unrecht an...

 Und wenn Du außerdem, obwohl Dir die Wahrheit bekannt ist, diese nicht mit Deiner Umgebung, mit Deinen Nächsten teilst, so tust Du ihnen das größte Unrecht an!...

 -         Aber ich will doch, es geht nur nicht...!

-         Was geht nicht?...

 Beim Klempner wird kein Kuchen verkauft! ...

 Beim Computerhändler suchst Du keine Schuhe! ...

 Der Teufel hat nur oberflächlich auf Adam geschaut und ist zu seinem Satan geworden!...

 Wenn er die Wirklichkeit und das Wesen Adams angesehen und beurteilt hätte, dann wäre es überhaupt nicht zu der Aufführung dieses Schauspiels gekommen!...

 Wir sind nur für das Wissen geschaffen worden! ...

 Allah hat das Wissen,  hinter das Feuer gestellt, damit die Ängstlichen sagen: „Mein Selbst soll nicht brennen, nicht brennend geläutert werden“ und sich dem Feuer nicht nähern, damit sie daran gehindert werden, dem Wissen, dessen sie nicht würdig sind, habhaft zu werden...

 Diejenigen, welche die Angst, ihr Selbst im Feuer zu verbrennen, überwinden können und hineinspringen, werden durch die Feuerhölle auf der rechten Seite des Dedjal (Antichrist) gehen, um  in das Paradies von Wissen und Bildung einzutreten! ...

 Diejenigen, welche ihre Angst nicht überwinden, können nicht durchs Feuer und folglich Wissen und Bildung nicht erlangen... Man muss die Angst erst überwinden!...

Mein Freund neben mir, hat mir erklärt, was Yunus Emre meinte, als er sagte: „Ödünü sidir“ „Gebt eure Angst auf, verachtet sie“... er hat es, Allah sei dank, getan... aus diesem Grunde konnte ich mich stets ohne Angst in neues Wissen stürzen!

 Wir sind nun irgendwo zwischen Fünfzig und Sechzig angekommen... es ist ungewiss, was wir noch erleben und wie lange wir noch, besonders mit unserem vollen Verstand, gesund, ohne Wehwehchen und Gebrechen, leben werden! ...

 Haben wir uns von dem verborgenen Schirk befreit?... Unser Gewissen muss darauf antworten!...

 Haben wir wenigstens begriffen, dass der mit dem Namen Allah bezeichnete kein Gott ist; und was Hu[3] wirklich ist? ...Können wir Hu überall, zu jeder Zeit sehen und zuhören?... Sind wir uns bewusst, dass wir in jedem Augenblick mit Hu sprechen?...

 Damit uns Schefâat zuteil werden kann, gilt es vornehmlich das Angebotene nicht zurückzuweisen! ...

 Schefâat dient der Errettung aus der Hölle und diese Hölle hat eine Abteilung auf dieser Erde und eine im Jenseits!...

 Schefâat dient dazu, zu Allah zu gelangen! Und das ist nur möglich, wenn man hier auf Erden eine Person findet, bei der das Wissen Allahs (ilm’ullah) offenbar wird und wenn man dieses Wissen dann auch anwendet!...

 Schefâat bedeutet die Unzulänglichkeit an Wissen, welche dazu führt, dass diese Person in ihren Fehlern verharrt und sie daran hindert, von diesen Fehlern zu lassen, aufzuheben, indem man ihr Wissen zu diesem Thema vermittelt!...

 Das Schefâat von Nebi, Rasul und von Ewliya erreicht uns immer auf diesem Wege...

 Der Mensch erreicht durch dieses Wissen eine innere Läuterung und wird so von dem Brennen errettet!... Und wenn er (subjektiv und objektiv, enfusi und afaki) dementsprechend lebt, wird er in der Dimension des Bewusstseins Allah erreichen!...

 Dementsprechend...

 Erst muss die Erlaubnis aus Deinem Innersten heraus, von Allah kommen, nicht von einem „Gott im Jenseits“, damit Du offen für das Dir dargebotene Schefâat sein wirst!... Du darfst das Schefâat nicht zurückweisen, nicht vertreiben...

 Danach musst Du das Wissen, welches Dich unter dem Namen Schefâat erreicht, gebrauchen um im Sinne dieses Wissens lebend, geläutert zu werden...

 Danach wirst Du von dem verborgenen Schirk (Schirk-i hafi) befreit und wirst Allah erreichen...

 Das war kurzgefasst die Antwort auf die gestrige Frage...

Ich hoffe, dass die tiefe Überlegung, das Diskutieren und Begreifen dieses Themas, das Tor zum Schefâat öffnet!...

Vergebt uns, wenn wir unbewusst einen Fehler gemacht haben! ...

 Ihr steht alleine Eurem Gewissen gegenüber ...

 An diesem Tag wird zur Abrechnung euer Selbst (Wissen und Bewusstsein) ausreichen!

                                                                                                    (aus dem Koran)

 Junior: Inschallah war das, was Du uns wiederfinden ließest, das, was uns abhanden

  gekommen war!... Wir werden es als unser Eigentum gebrauchen und erwarten

 Dein Gebet, damit unser Gebrauch andauernd sein wird...

                                                                                                               31.1.1989

                                                                                                              N.J.USA